Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim im Weihnachtszauber

„An Weihnachten arbeite ich nie“

Arnim Töpel feiert mit Familie, Gans und Kirchgang – und steht an Silvester auf der Bühne

Arnim Töpel ist wie gewohnt viel beschäftigt: Er tourt mit seinem aktuellen Programm „Masterbabbler“, liest aus seinem gerade erschienenen Krimi „Mord beim Männer-Ballett?“, er moderiert und musiziert, doch eines fällt dann doch auf: Im Terminkalender eines der vielseitigsten und produktivsten (Bühnen-)Künstlers der Region klafft in der Vorweihnachtszeit und über die Feiertage eine Lücke. „Naja, ich mache nicht nichts“, relativiert der Musiker, Kabarettist, Moderator und Autor, stellt aber klar: „An Weihnachten arbeite ich nie. Da bin ich sehr traditionell. Ich feiere mit meiner Familie und tue das aus vollem Herzen. Dazu muss mich keiner zwingen.“

Das sei schon immer so gewesen, erinnert er sich, habe sich aber wohl noch intensiviert, seit er Kinder habe: „Das ist ja mit vielem so: Veränderungen sind eine Reaktion auf die jeweilige Lebenssituation, und das ist auch gut so“, überlegt er. Und stellt fest: Auch wenn die Kinder nun schon 17 und 21 Jahre alt sind, „sie sind immer noch gerne dabei, denn wir feiern Weihnachten zum Glück nicht bierernst. Lieder werden bei uns eher gesummt als gesungen“. Zu den unverrückbaren familiären Weihnachtstraditionen gehören aber ein Baum, eine Gans und der Kirchgang. „Die Kirche hat mich sehr geprägt, in der evangelischen Jugend habe ich angefangen. Diese enge Verbindung habe ich nie gelöst“, begründet er, „das bedeutet mir viel und trägt mich letztlich“.

Eine Konstante trotz aller Veränderungen in Töpels verschiedenen Lebenssituationen: Zuerst studierte der gebürtige Heidelberger Jura – unmittelbar nach seiner Anwaltszulassung 1989 schrieb er seinen Kult- Song „Hallole, isch bins, de Günda“. „Ich glaube, ich habe nach der ganzen Lernerei ein Ventil gebraucht“, erklärt er sich das. Es folgte eine Karriere als Radiound Fernsehmoderator, bis er sich entschloss, als freischaffender Künstler seine Brötchen zu verdienen. Im kommenden Jahr wird das 20 Jahre her sein. „30 Jahre Rechtsanwalt, 20 Jahre freischaffend, zehn Jahre mit meiner Band, den Töpelkings – 2019 stehen einige Jubiläen an“, sinniert er. Und dann wird er auch noch 60.

An Silvester im Schatzkistl

Ein Grund, an Silvester ausgelassen in dieses sehr besondere Jahr 2019 hineinzufeiern, sei das allerdings nicht. „Silvester bedeutet mir nicht so viel wie Weihnachten“, vergleicht er. Der letzte Tag des Jahres sei „schon ein Moment des Innehaltens“, aber: „Mit der Knallerei zum Beispiel kann ich rein gar nichts anfangen.“ Arnim Töpel hat daher entschieden, an diesem Abend auf der Bühne zu stehen – wie im Vorjahr im Mannheimer Schatzkistl, wo er den Gästen zwischen den einzelnen Gängen des festlichen Menüs bis ran an Mitternacht einen unterhaltsamen Abend bereiten wird. Die Vorstellung ist ausverkauft. „Peter Baltruschat hatte mich letztes Jahr gefragt, ob ich dazu Lust hätte. Es war ein großer Spaß“, erzählt er, „das Besondere am Schatzkistl ist: Man wird zu einer Einheit mit dem Publikum.“ Auch wenn er keinen Bissen vom Menü nascht, denn: „Ich esse nie vor meinen Auftritten. Und währenddessen schon gar nicht.“ Eine Analogie zu seiner früheren Tätigkeit beim Radio hat ihm besonders gefallen: „Als Radiomann ist man gewohnt, auf Zeit zu spielen und die Uhr beim Sprechen im Blick zu haben – im Runterzählen bis Mitternacht habe ich daher eine gewisse Übung.“

Im Januar geht es dann Schlag auf Schlag: Am 7. spielt er mit den „Töpelkings“, seiner Bluesband mit Bassist Michael Herzer und Schlagzeuger Erwin Ditzner, erstmals im Club „Ella & Louis“ im Keller des Mannheimer Rosengartens und sagt: „Meine Premiere dort. Darauf freue ich mich, wie eigentlich auf alles Neue.“ Und am 11. und 12. Januar ist dann wieder der „Masterbabbler“ dran, sein aktuelles Programm, in dem er in atemberaubendem Tempo zwischen glasklarem Hochdeutsch und Kurpfälzer Mundart, zwischen gesprochener Sprache und melodiösem Blues switcht. Auch Ideen für ein neues Buch schwirren schon in seinem kahlen Schädel herum – ohne dass er schon Details verraten mag. Nur so viel: „Ein Buch pro Jahr habe ich in den letzten Jahren immer geschrieben. Also sollte es auch 2019 eines geben.“ Und eine Biografie würde er, nach der über die Radsportlegende Günter Haritz, auch nochmal gern in Angriff nehmen, aber: „Ich weiß noch nicht, über wen ich schreiben könnte.“ Also wird wohl zuerst der siebte Band der „Günda“-Reihe erscheinen, ein weiterer Krimi mit dem kauzigen Kommissar Günda, den alle „Tschief“ nennen, und den sein jüngster Fall ins Fastnachts-Milieu führte. Günda ist längst zu einer Art Alter Ego von Arnim Töpel geworden, „das war mir lange gar nicht klar, ist aber eindeutig so“, gibt er zu. Jede Menge Inspiration hatte dem Autor, der in Walldorf lebt, eine Prunksitzung gegeben, bei der ihm der „Goldene Paragrafenreiter“ verliehen wurde. „Manchmal kommt die Inspiration von außen, aber meistens doch von innen“, erklärt er lachend. Könnte also auch mal Weihnachten Thema in einem Krimi oder auf der Bühne werden? Arnim Töpel überlegt kurz und sagt dann: „Nein. Ich glaube nicht. Ich habe Respekt vor Menschen und Themen, vor bestimmten Themen ganz besonders.“ Er achte beim Schreiben grundsätzlich darauf, dass niemand der Lächerlichkeit preisgegeben werde, betont er: „Ich mache eine Bühnenkunst, die nicht herabwürdigend ist. Dieses Draufhauen, das das politische Kabarett oft praktiziert, ist nicht meines. Wir brauchen mehr Menschenfreundlichkeit. Nicht nur an Weihnachten.“ Ute Maag

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