Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Als Ziel immer gefragter

TOURISMUS:„Die Stadt schüttelt den Mantel der Industriestadt allmählich ab“, sagt Karmen Strahonja, die Chefin vom Mannheimer Stadtmarketing, zufrieden. Die Quadratestadt ist ein immer häufiger nachgefragtes Ziel für Städte- und Kulturreisen – Tendenz steigend. Und das nicht nur dank des „Merian“, der Mannheim gewidmet worden ist.

Von Peter W. Ragge  

Es ist eine der meist verkauften Ausgaben des Jahres, sagt Oliver Voß, Verlagsleiter des Jahreszeiten Verlags: die Ende 2018 erschienene Mannheim-Ausgabe von Merian. Das gab es seit 1976 nicht mehr: Die Reisezeitschrift, die auf die Städtebeschreibungen des Kupferstecher Matthäus Merian im 17. Jahrhundert zurückgeht, widmete der Quadratestadt ein eigenes Heft. Dabei handelt es sich um keine bezahlte Werbeveröffentlichung der Stadt, wie sie manchmal unter „Merian extra“ erscheinen, sondern die reguläre Dezember-Ausgabe. „Wir haben die Stadt lange vernachlässigt“, gestand Hansjörg Falz, der Chefredakteur. „Aber das war keine Ignoranz, kein böser Wille“, sondern eben den Touristenströmen geschuldet. Doch dann ergriff die Redaktion die Initiative, ging aufs Stadtmarketing zu. Schließlich seien Städtereisen nun „in“, und „Mannheim trifft genau den Zeitgeist von diesem Megatrend im Tourismus“, erklärte er. „Nach der Heftproduktion haben damit gar nicht befasste Kollegen gesagt, dass sie diese Stadt entdecken, hier ein Wochenende verbringen wollen“, so Hansjörg Falz, „das ist über die Maßen ungewöhnlich.“ „Mannheim ist unter den Kleinen eine der Größten“, urteilt der Frankfurter Schriftsteller Florian Wacker, der 2017 als „Stadtschreiber“ drei Monate im Turm der Alten Feuerwache wohnte. Mit diesem Satz erklärt er auch den Titel, den die Redaktion dem Heft gegeben hat: „Eine Stadt denkt groß“. Von Hamburg oder Berlin, so Falz, da erwarte man das – aber nicht von Mannheim: „Wir sind hier von vielen Dingen überrascht worden.“

Nach dem Erfolg der deutschen Ausgabe, von der 80 000 Exemplare gedruckt wurden, präsentiert das renommierte Reise- und Kulturmagazin die Stadt Mannheim nun in zwei weiteren Ausgaben mit spannenden Einblicken in das kulturelle und urbane Leben der Stadt. Mit einer Auflage von 14 000 Exemplaren erscheint die englischsprachige Ausgabe, die inhaltlich auf der deutschen Ausgabe basiert, mit einem Umfang von 140 Seiten. Zudem widmet die Merian-Redaktion Deutschland eine Extra-Ausgabe: „Deutschland neu entdecken.“ Auch im Inhaltsverzeichnis: Mannheim. Eine fünfseitige Strecke gibt Empfehlungen für einen Aufenthalt – Tipps für unterwegs inklusive. „Wir freuen uns, unsere Stadt in diesem Jahr einer noch größeren Leserschaft vorzustellen“, zeigt sich Karmen Strahonja, Geschäftsführerin vom Stadtmarketing, begeistert. „Damit zeigen wir, dass sich Mannheim als Destination für klassische Städtetrips etabliert und ebenso ein attraktives Aufenthaltsziel für große Deutschlandtouren ist.“

Segmüller

In Gesprächen mit dem Fachpublikum und Reiseinteressierten auf Tourismusmessen merke das Team des Stadtmarketings, „dass Mannheim eine Stadt ist, die noch entdeckt werden kann und als Ziel für Städtereisen immer beliebter wird“, so Strahonja. „Die Stadt punktet mit ihrer Mischung aus Kultur, Kulinarik, Shopping und ihrer zentralen Lage als perfekter Ausgangspunkt für weitere Ausflüge in die Region“, sagt sie. Auswärtige Gäste beschrieben Mannheim heute mit Worten wie „urban“, „spannend“ und „begeisternd“, denn die Stadt biete einem breiten Publikum auf überschaubarem Raum ein vielfältiges Angebot, „das sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt hat“.

Derzeit beobachte das Stadtmarketing, „dass dieses Angebot immer mehr Gäste von weiter her nach Mannheim zieht, was sich auch in den stetig steigenden Übernachtungszahlen zeigt“, so die Geschäftsführerin. Nach Angaben des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg hat sich Mannheim mit knapp 1,5 Millionen Übernachtungen im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um gut fünf Prozent gesteigert. Die Anzahl der von ausländischen Gästen gebuchten Übernachtungen stieg sogar um knapp sieben Prozent. Zu den wichtigsten Ländern, aus denen die meisten Übernachtungen kommen, zählen die Schweiz, USA, Frankreich, Niederlande und das Vereinigte Königreich.

„Die erfolgreiche Präsentation des Hotelmarkts Mannheim auf großen Tourismusmessen führt zu einem hohen Imagefaktor und zu realistischen Buchungen vor Ort durch Kongressveranstalter, Agenturen und Unternehmen“, bestätigt Achim Ihrig, Vorsitzender des Vereins Hotels im Quadrat. „Sind die Gäste dann vor Ort, kann Mannheim durch eine hohe Professionalität punkten und damit die Wiederkehrerquote erhöhen“, so Ihrig. „Aus Erfahrung der Hoteliers verfolgen international agierende Unternehmen aus ganz Deutschland, die geschäftlich in Mannheim agieren, mit großem Interesse, wie sich der Hotelmarkt in Mannheim entwickelt. Gerade die internationalen Marken regen zu Überlegungen an, auch internationale Mettings nach Mannheim zu verlegen“, hat er zudem festgestellt.
Nun sieht der Verein, der 20 Mannheimer Hotelbetriebe vertritt, in der Bundesgartenschau 2023 Mannheim die große Chance, Mannheim in Kooperation mit Partnern in der Metropolregion stärker als bisher als Tourismus-Destination zu positionieren. „Mannheim wird traditionell stark von Businessgästen frequentiert“, so Ihrig. „Die BUGA23 bietet die große Chance, unserer Stadt neue Zielgruppen im Privattourismus zu erschließen. Wir verfügen über eine enorme touristische Vielfalt in der Metropolregion, die überregional sichtbar werden muss. Dazu braucht es einen Aktionsplan, der eine intensive Vernetzung aller relevanten Akteure in den Kommunen und in der Region mit der BUGA voraussetzt“, sagt er. Mit Schwerpunkten wie „Klimawandel“ und „Grünes Leben in der Stadt“ setze sich die BUGA23 zudem mit globalen Themen von enormer Relevanz auseinander. „Bis hin zu Kongressen lässt sich hier weiter denken“, so Ihrig. Schätzungen gehen davon aus, dass die 2,1 Millionen BUGA23-Gäste für 310 000 Übernachtungen sorgen. „Wenn wir die richtigen Pakete schnüren, können wir diese Zahl noch deutlich erhöhen“, so Ihrig. „Zwei Dinge müssen uns gelingen: Mannheim nimmt im Konsens seine Führungsposition als ,Hauptstadt‘ der Metropolregion Rhein-Neckar ein. Damit lässt sich das vielfältige Tourismusangebot zwischen Bad Dürkheim und Buchen zum Vorteil aller Beteiligten zentral kommunizieren. Hinsichtlich der von der BUGA23 ausgehenden Impulse zu bedeutsamen Zukunftsfragen unserer Stadtgesellschaften kann Mannheim zu Recht zum Vorreiter werden. Diese Expertise, dieses Image, das da entsteht, stellt ein Zukunftspotential weit über die 180-tägige Veranstaltung hinaus dar“, ist er überzeugt.

Noch mehr Chancen für Kulturtourismus sieht Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen. „Auf Reisemessen wie der Stuttgarter CMT oder der ITB Berlin sind unsere Mitarbeiter natürlich immer wieder im Gespräch mit Städte- und Kulturreisenden außerhalb unserer Region. Angelockt werden sie an unseren Stand durch die Präsentation unserer aktuellen Ausstellungshighlights – das war früher so, das hat sich nicht geändert“, sagt er. Präsentationen wie die „Staufer“, „Wittelsbacher“, „Päpste“ oder unser nächstes Projekt „Die Normannen“ hätten „eine enorme Strahlkraft, die Themen sind für Kunst- und Geschichtsfans reizvoll und bieten daher eigenständige Reiseanlässe, um nach Mannheim zu kommen“. Zudem habe sein Team inzwischen die Erfahrung gemacht, „dass wir uns gewinnbringend für unser Haus und damit für die Reisedestination Mannheim einsetzen können, wenn wir uns als Teil der Kulturregion Rhein-Neckar präsentieren“, so Wieczorek. An ihr beteiligen sich zahlreiche Museen und Kultureinrichtungen sowie Festivals, die „durch eine ansprechende Programmatik und hochwertige Kulturprogramme das Publikum weit über die Region hinaus begeistern“, erklärt er. UNESCO-Welterbestätten wie das Kloster Lorsch oder der Speyerer Dom stellten darüber hinaus reizvolle Ausflugsziele dar und lockten damit ein internationales Kulturreisepublikum in die Region, das sich von Heidelberg bis Speyer, von Schwetzingen bis Worms auf einer Achse bewegt und immer wieder in die Nähe Mannheims kommt. „Wir können bei unseren Messeauftritten immer wieder auf die kurzen Wege und die gute infrastrukturelle Erreichbarkeit zwischen den einzelnen Orten hinweisen und das Interesse für die Reisedestination Mannheim wecken“, ist Wieczorek berzeugt: „Mannheim scheint bei vielen noch ein blinder Fleck auf der Landkarte zu sein, aber das wollen wir durch unser touristisches Engagement als Kulturakteur ändern.“
                
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