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Alavaara: ”Wir haben ein klares Bild vor Augen“

Interview Mit Jan-Axel Alavaara

Nachdem die Adler Mannheim am 26. April 2019 die insgesamt achte Meisterschaft der Clubgeschichte feiern durften, versammelte sich das Team keine drei Monate später wieder für die Vorbereitung auf die neue Spielzeit. Es war für alle Beteiligten ein kurzer Sommer. Auch für Sportmanager Jan-Axel Alavaara. Im Interview spricht der Schwede unter anderem über seine Arbeit im zweiten Jahr in Diensten der Adler und die zukünftige Ausrichtung.

AXEL, WIE GESTALTETE SICH DEIN SOMMER NACH DEM GEWINN DER MEISTERSCHAFT?

Ich habe unsere Meisterschaft ein paar Tage feiern und genießen können, aber nicht zu lange. Die ersten Gedanken sind sehr zeitnah wieder um die Zusammenstellung des Kaders gekreist. Damit war die alte Saison direkt abgehakt, und es hat etwas Neues angefangen. Uns war allen bewusst, dass wir etwas Tolles geschafft hatten. Aber wir haben den Anspruch, uns immer weiter zu verbessern. Wir hatten noch ein paar offene Stellen für die neue Saison, und jede Position ist verdammt wichtig. Wir investieren viel Arbeit und Zeit in die Auswahl unserer Spieler, und entsprechend früh muss damit begonnen werden. Im Juli stand bereits unser Prospect Camp an. Dafür gilt es sich vorzubereiten. Welche Spieler kommen, wie haben sie sich entwickelt, was wollen wir jedem einzelnen persönlich mit auf den Weg geben? Eng damit verbunden ist die Zusammenarbeit mit unserem Kooperationspartner Heilbronn. In gemeinsamer Abstimmung wird die Auswahl getroffen, welche Spieler wir dort haben wollen, welche Spieler Förderlizenzen erhalten und wie dort gespielt werden soll. Mit den Personalien Moritz Seider und Lean Bergmann hatten wir zwei Spezialfälle. Beides sind Spitzenspieler, die man im Sektor der U23-Spieler nicht ersetzen kann. Sie zählen zweifelsfrei zu dem Besten, was Deutschland in dieser Altersklasse zu bieten hat. Trotzdem mussten wir uns einen Plan B überlegen. Dazu kommt einfach die alltägliche Arbeit. Gespräche mit Scouts und den Trainern. Wir haben uns dazu entschieden, neue Performance-Coaches an Bord zu holen. Da gilt es, eine gemeinsame Linie zu finden. Es ist auf jeden Fall immer etwas zu tun. Und ich habe mir ein paar Wochen Urlaub in meiner schwedischen Heimat gegönnt.

DU SAGST, DASS IHR VIEL ZEIT FÜR DIE AUSWAHL DER NEUZUGÄNGE INVESTIERT. KANN MAN DAS GENAUER DEFINIEREN?

Das ist schwer. Man muss einen Spieler schon mehrmals in diversen Situationen live und auf Video beobachten. Wie verhalten sie sich bei engen Spielständen, wie in besonderen Situationen, wie auswärts, wie in den Playoffs? Dazu holt man weitere Informationen von Trainern oder Mannschaftskollegen ein. Haben sie den Team-First-Gedanken oder sind sie Egoisten? Wie arbeiten sie im Kraftraum? Es gibt so viele Fragen, so viele Aspekte. Je mehr Informationen ich über einen Spieler habe, desto schneller und besser kann eine Entscheidung getroffen werden, ob ein Spieler nach Mannheim passt oder nicht. Natürlich bekommen wir aber auch nicht alle die Spieler, die wir gerne hätten. Wenn uns aber ein Spieler angeboten ist, wollen wir unmittelbar eine Entscheidung treffen können. Das ist uns wichtig.

DIESE SAISON IST DEINE ZWEITE IN MANNHEIM. WAS HAT SICH IM VERGLEICH ZU DEINER ERSTEN VERÄNDERT?   
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Dieser Sommer war etwas einfacher, da ich mich zu 100 Prozent auf die Adler konzentrieren konnte. Bis vergangenen Juni habe ich noch für die Buffalo Sabres als Scout gearbeitet. Außerdem konnten sich alle Beteiligten bei den Adlern ein Jahr lang kennenlernen. Wir haben erste Strukturen geschaffen, konnten die Arbeit passend unter uns aufteilen.

DU HATTEST GANZ AM ANFANG GESAGT, DASS EIN TEIL DEINER ARBEIT DARIN BESTEHT, MIT SCOUTS GESPRÄCHE ZU FÜHREN. WIE KANN MAN SICH DIESEN AUSTAUSCH MIT UNSEREN VIER SCOUTS VORSTELLEN?

Wir haben unser eigenes Scouting-Programm. Das bedeutet, dass jeder Scout Spieler unter denselben Gesichtspunkten betrachtet und bewertet. Manchmal will ich etwas über die Entwicklung eines Spielers wissen oder in Erfahrung bringen, ob es einen neuen interessanten Kandidaten gibt. Manchmal meldet sich aber auch einer der Scouts bei mir und erzählt mir von einem Akteur, der für die Adler passen könnte. Das muss nicht unbedingt die laufende Saison betreffen. Hin und wieder ist das auch perspektivisch ausgelegt. So stehen wir mindestens viermal in der Woche in Kontakt. Wir bauen nach und nach eine große Datenbank mit vielen Spielern auf, die jetzt oder in Zukunft für die Adler von Interesse sein könnten. So lässt sich auch die Entwicklung eines Spielers besser beurteilen. Allein mit dieser Arbeit könnte man jeden Tag ausfüllen und sie stets fortführen. In der DEL können wir bis zu zehn Importspieler verpflichten, entsprechend schauen wir uns viele Kandidaten an, sind in der tschechischen, der schwedischen, der finnischen und der Schweizer Liga, der NHL, AHL, der KHL, in College-, Junioren- und Universitätsligen unterwegs. Treffen dabei zwei Topmannschaften aufeinander, beobachten wir schon mal zwischen sechs und zehn Spieler.

UND WIE VERHÄLT ES SICH MIT DER ZUSAMMENARBEIT MIT DEN TRAINERN?

Trainer wollen am liebsten fünf topbesetzte Reihen. Das war bei mir auch nicht anders, als ich Coach war. Als Manager versuche ich, den Trainern aus meiner Sicht zu erklären, wer dem Team helfen kann, wer das Team besser macht. Andersrum erklären mir aber auch die Trainer, wo sie Verbesserungsbedarf oder -potenzial sehen. Das ist die Quintessenz. Wir wollen eine Mannschaft, die Meisterschaften gewinnen kann. Dafür braucht es schließlich noch die richtige Mischung. Die Spieler, die die Tore erzielen, und die Spieler, die verteidigen können.

SAP

WELCHE ROLLE SPIELEN DENN DANN NOCH DIE SPIELERAGENTEN?

Agenten sind wichtig. Gerade wenn es um eine schnelle Verpflichtung geht, haben sie einen besseren Überblick, welcher Spieler verfügbar ist. Agenten sind Mittelsmänner zwischen Spieler und Club. Sie zeigen dir den Pool an Spielern, aus dem du wählen kannst. Denn es gibt Spieler, die wollen nicht nach Europa oder sind vielleicht für die DEL nicht gut genug. Natürlich handeln Agenten immer zum Wohl des Spielers und sind letztlich Verkäufer. Es gibt sehr viele Agenten, entsprechend hat man eigentlich jeden Tag mit dem einen oder anderen zu tun.

DU HAST ZU BEGINN DES GESPRÄCHES BEREITS DIE PERSONALIEN BERGMANN UND SEIDER ANGESPROCHEN. BEIDE WERDEN WOHL NICHT SO SCHNELL ZU DEN ADLERN ZURÜCKKEHREN. MIT TIM STÜTZLE HABEN DIE ADLER DERZEIT NUR EINE U23-POSITION FEST VERGEBEN. WIE PLANST DU FÜR DIE ZWEITE?

Wir haben ein riesiges Vertrauen in unsere Förderlizenzspieler. Sie haben bereits in der vergangenen Saison und auch schon in dieser bewiesen, dass sie in der DEL mitspielen können. Junge Spieler, also 18-, 19-, 20-Jährige, brauchen aber Zeit. Sie sind unerfahren. Man muss viel mit ihnen arbeiten. Auf dem Eis, neben dem Eis, Videostudium, an den individuellen Fähigkeiten. Man braucht Geduld. Die Entwicklung von Spielern kostet die Trainer mehr Arbeit. Das steht außer Frage. Einen 28-jährigen Profi zu nehmen, der schon 500-Spiele gemacht hat, ist sicher der einfachere Weg. Wenn wir aber das deutsche Eishockey entwickeln wollen, müssen wir diese Arbeit auf uns nehmen. Der Markt an relevanten Spielern ist aber noch sehr klein. Wir haben ihn aber im Blick, gerade auch vor dem Hintergrund der nächsten Jahre.

STICHWORT ZUKUNFTSPLANUNG: WIE STELLT MAN EINEN SOLCHEN LÄNGERFRISTIGEN PLAN AUF UND WELCHE ZEITSPANNE IST DABEI SINNVOLL?

Wir haben ein klares Bild davon, wie die Adler Mannheim spielen und welche Entwicklung sie über die nächsten Jahre gehen sollen. Entsprechend müssen die Spieler ausgesucht werden, aber auch das On- und Off-Ice-Training muss dem Konzept angepasst sein. Dabei kann man rund zwei bis drei Jahre in die Zukunft planen. Alles, was darüber hinausgeht, ist schwierig. Daneben erfordert das Tagesgeschäft natürlich auch einen kurzfristigen Blick. Die direkte Entwicklung darf bei allen Planspielen nicht vergessen werden.

Odenwald Quelle

LASS UNS ZUM ABSCHLUSS NOCH AUF DAS REIN SPORTLICHE BLICKEN. IN DER CHAMPIONS HOCKEY LEAGUE HABEN DIE ADLER DAS ACHTELFINALE ERREICHT. WIE WICHTIG WAR DIE QUALIFIKATION FÜR DIE K.O.-PHASE?

Es war schon einmal wichtig, dass wir gleich früh in der Saison vier gute Spiele gegen Tychy und Wien gezeigt haben. Auch die beiden Partien gegen Djurgarden, als bereits feststand, dass wir für das Achtelfinale qualifiziert sind, waren wichtig. In solchen Begegnungen kann man sehen, wo man im Vergleich mit anderen europäischen Topteams steht. Wir blicken mit viel Vorfreude auf die kommende Aufgabe im November. Denn es ist unser Anspruch, in dieser Phase als Adler Mannheim dabei zu sein. Wir wollen ein Wort mitreden, wenn es um Titel geht.

WENNGLEICH TABELLE UND PUNKTEAUSBEUTE IN DER DEL ANFANG OKTOBER GEPASST HABEN, VERLIEF DER LIGASTART NICHT REIBUNGSLOS. WARUM?

Vielleicht konnte man es im Nachhinein erwarten, dass nicht gleich alles rundlaufen wird. Mit den ersten Spielen waren wir einfach nicht zufrieden. Wir waren läuferisch und kämpferisch nicht auf dem Niveau, auf dem wir sein wollen und müssen. Wir wollen viel laufen und mit hoher Intensität agieren. Die Ergebnisse sind da eher zweitrangig. Das Wie ist viel entscheidender. Wenn wir unser Spiel durchziehen, werden wir Erfolg haben.
   
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