Sonderveröffentlichung
Themenspecial Ratgeber Pflege

Aktive Pflege für junge Menschen

Altersgerechte Versorgung: Eine große Herausforderung für alle Betroffenen

Familien mit kranken Kindern stehen vielfältige Arten der Unterstützung zu, beispielsweise eine Schul- und Integrationsbegleitung. Bild: stock.adobe.com - WavebreakmediaMicro

28.01.2020
Wenn man von pflegebedürftigen Menschen spricht, denken die meisten an Ältere – an Seniorinnen und Senioren, die den Großteil ihres Lebens bereits gelebt haben. Aber wie steht es um junge Menschen, die chronisch krank oder pflegebedürftig sind? Diese Kinder und Jugendlichen und ihre Familien stehen meistens vor enormen Herausforderungen, da angebotene Dienstleistungen und Hilfestellungen vorwiegend auf Senioren ausgerichtet sind. Die meisten Informationen und Unterstützungen suchen sich die Angehörigen oft in den sozialen Netzwerken, wo sich vor allem bereits Betroffene tummeln und ihre Erfahrungen und erworbenes Wissen teilen.

Laut einer Studie von 2017 sind 3,5 Prozent der Pflegebedürftigen jünger als 15 Jahre. Doch nicht immer werden kranke Kinder und Jugendliche in Pflegegrade eingestuft, obwohl sie die Kriterien dafür erfüllen würden. Eine Einstufung ist auch für den Prüfdienst der Krankenkassen (Medizinischer Kontrolldienst – MDK) eine große Herausforderung. Tagesformen bei Kindern sind meist schwankend und daher ist eine realistische Einschätzung der Gesamtsituation schwierig. Doch besonders für eine Betreuung zuhause durch die eigene Familie ist eine Einstufung in einen Pflegegrad, und somit der Erhalt von Pflegegeld, von existenzieller Bedeutung, denn 99,8 Prozent der Kinder wurden laut Statistischem Bundesamt 2017 zu Hause gepflegt. Die Hauptlast liegt leider vorwiegend immer noch bei den Frauen. In mehr als 80 Prozent der Fälle pflegen die Mütter ihr Kind allein und der Rest teilt sich die Pflege mit dem Vater.

Ramstetter Rechtsanwalt

Gepflegt wird hauptsächlich zuhause

Was passiert, wenn die Intensivpflege, wie vom Bundesgesundheitsminister gefordert, in Zukunft vorwiegend in stationären Einrichtungen vorgenommen werden soll? Viele Kinder und Jugendliche, die intensivpflegerisch betreut werden müssen, werden meistens besser zu Hause altersgerecht versorgt, denn die meisten Einrichtungen sind ausgerichtet auf Altenpflege. Die Familien müssen aber von ambulanten Diensten unterstützt werden, denn es erfordert besondere medizinische Kenntnisse, Kinder und Jugendliche zu pflegen.

Auch in einer so stark entwickelten Region wie der Rhein-Neckar-Region, gibt es nur eine begrenzte Anzahl von Pflegediensten, die auf die Pflege von Kindern und jungen Menschen ausgerichtet sind. Die Sterntaler Kinderkrankenpflege ist einer davon. Neben einem Kinderhospiz, eines der wenigen in der Bundesrepublik, haben die Initiatoren und Förderer des Vereins Kinderhospiz Sterntaler auch einen ambulanten Pflegedienst gegründet, der jedoch nur einen sehr kleinen Teil des Bedarfs an Kinder- und Jugendpflege abdecken kann.

Schul- und Integrationsbegleitung

Indessen gibt es neben schweren Erkrankungen mit Pflegegradeinstufung auch andere Arten von Unterstützung, die Familien mit kranken Kindern zustehen sowie zum Beispiel die Schul- und Integrationsbegleitung. Es gibt aber auch in diesem Bereich nur wenige Pflegedienste, die derartige Leistungen anbieten. Der Mannheimer Pflegedienst Rheingold etwa bietet seit 2016 die medizinische Assistenz und Integrationsbegleitung für Kinder mit Diabetes an. Die Feststellung des Sonderpädagogischen Hilfebedarfs ist Voraussetzung, um einen Schulbegleiter in solchen Fällen zu beantragen.

Vorsorgevollmacht bei Volljährigen

Eines sollten Eltern nicht vergessen: Nicht immer sind Kinder bereits seit Geburt krank oder pflegebedürftig. Doch was passiert, wenn die Kinder bereits volljährig sind und plötzlich nicht mehr selbstständig handeln können? Im schlimmsten Fall wird ein gesetzlich eingesetzter Betreuer Entscheidungen fällen, welche die Gesundheit des Kindes betreffen. Um dem vorzubeugen, sollten Eltern rechtzeitig mit ihrem Nachwuchs über solche eventuellen Möglichkeiten sprechen und eine entsprechende Vorsorgevollmacht ausfüllen. Ein Gespräch über Organspende sollte ebenso in der Familie offen geführt werden, denn dieses Thema geht alle an und kann plötzlich von Relevanz sein. Mehr Anbieter für verschiedene Pflegesituationen in der Rhein-Neckarregion und spezielle Pflege-News sind zu finden unter: www.pflegenetzwerke.de. Gehrig/Pflegenetzwerke