Sonderveröffentlichung
Themenspecial Unsere Farben Clubnews

Adler Mannheim: Eishockey-Stürmer Tim Stützle will in die NHL

Nicht selten gilt es, im Leben wichtige Entscheidungen zu treffen. Für jeden von uns. In allen Lebenslagen, zu allen Lebenszeiten. Folgt man dem Bildnis eines Lebenswegs von der Geburt bis zum Tod, steht man während des irdischen Daseins mehr als einmal an vielverzweigten Kreuzungen, an denen man sich für eine Richtung entscheiden muss. Oftmals gibt es im Vorfeld keine Wegweiser, oder derart viele verschiedene und teils gar widersprüchliche, dass sie keine wirkliche Hilfe mehr sind. Adler-Youngster Tim Stützle musste schon sehr früh in seinem noch jungen Leben ganz grundlegende Entscheidungen treffen.

„Ich habe schon früh für mich das Ziel NHL im Kopf gehabt, spätestens seit dem Wechsel nach Mannheim, als ich noch keine 15 Jahre alt war.“ Ein Satz, der für sich genommen aus dem Mund eines Eishockeynachwuchsspielers nicht allzu besonders klingt. Wer hofft als junger Sportler nicht auf den großen Karrieresprung, auf den Schritt zu den Profis. Welcher Junge, welches Mädchen hat in jungen Jahren keine Wünsche und Ziele, die am Ende aber meist doch nur ein Traum bleiben. Doch aus dem Mund von Tim Stützle hat diese Aussage mehr Gewicht. Erheblich mehr. Denn der 17-jährige Stürmer der Adler Mannheim kann es schaffen. Er kann ein ganz Großer werden. In der besten Liga der Welt.
Ein Weg ohne Weiser Image 2
Dafür arbeitet Stützle sehr hart. Und das schon sehr lang. „Ich war schon immer einer von denen, die nach dem Training noch auf dem Eis geblieben sind. Ich wollte und will mich von Tag zu Tag verbessern“, treibt den gebürtigen Viersener ein unglaublicher Ehrgeiz an. „Das habe ich mit Moritz Seider vielleicht gemeinsam“, zieht der schnelle Spielmacher einen Vergleich zu seinem ehemaligen Mannschaftskollegen bei den Jungadlern, der mit den Adlern im April 2019 die Meisterschaft gewann und im zurückliegenden Sommer von der NHL-Franchise der Detroit Red Wings an sechster Stelle gedraftet wurde. Ähnliches hat Stützle für sich im Sinn. „Moritz und ich hassen es zu verlieren. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, wollen immer besser sein.“

SELBSTDISZIPLIN UND LOCKERHEIT

Nochmals zehn Schüsse mehr, nochmals den Bullypunkt umrunden, noch eine Einheit im Kraftraum. „Viele meiner Trainer haben mich immer wieder daran erinnert, hart zu arbeiten. In Krefeld war das Peter Kaczmarek, bei den Jungadlern Frank Fischöder und bei den Adlern ist es nun Pavel Gross. Alle haben mich gelehrt, dass ich auf mich schauen und meinen eigenen Weg gehen muss. Auf andere zu schauen, bringt mich nicht weiter“, nimmt Stützle, der mit einer unglaublichen Spielintelligenz ausgestattet ist, die Ratschläge seiner Coaches gerne an und setzt sie diszipliniert um. „Sicher gibt es Tage, an denen die Motivation nicht die größte ist, aber da muss man sich einfach durchbeißen, wenn man etwas erreichen will. Diesen Grundsatz hatte ich schon früh verinnerlicht. Außerdem habe ich einfach unglaublich viel Spaß an all den Dingen, die zum Eishockey dazugehören“, verspürt der Zwölftklässler noch nicht den ganz großen Leistungsdruck. „Ich muss noch keine Familie mit Eishockey ernähren, kann mir noch eine gewisse Lockerheit erlauben.“

Dennoch ist der bisherige Lebensweg Stützles kein einfacher. Ausgehen, Feiern, Freizeit: Bei all diesen Dingen muss Stützle schon lange kürzertreten. „Klar gehe ich auch mal aus oder gönne mir Fast Food. Aber alles im Rahmen und alles zu seiner Zeit“, braucht es nicht nur für das tägliche Training auf und abseits des Eises eine große Portion Selbstdisziplin. Auch hinter der Entscheidung für die Adler steckte ein intensives Abwägen der Pro- und Contra-Argumente: „Ich habe lange gerungen, ob ich nach Nordamerika ins College gehen oder den Sprung in die DEL wagen soll. Letztlich war ich überzeugt, dass mich Spiele gegen Männer weiterbringen als gegen Gleichaltrige“, so Stützle, der wusste, dass ihm Chefcoach Gross keinen Freifahrtschein ausstellen wird. „Im College hätte ich in allen Situationen auf dem Eis gestanden, aber der einfachste Weg ist nicht immer der beste. Ich wollte hier um meinen Platz kämpfen.“

RÜCKHALT DER FAMILIE UND DES TEAMS

Seinen Platz im Kader der Adler hat der begnadete Fußballer, der sich vor ein paar Jahren sogar gegen einen Wechsel nach Gladbach und für das Eishockey entschieden hat, inzwischen sicher. In einer Angriffsformation mit Stanley-Cup-Sieger Ben Smith und dem erfahrenen Tommi Huhtala. Zur Halbzeit der Hauptrunde rangierte Stützle ligaweit auf Platz sieben der Scorerliste. „Mein Ziel war und ist es, nicht einfach nur mitzuspielen, sondern Plays zu machen. Ich wollte eine Führungsrolle übernehmen, auch wenn das in jungen Jahren schwer ist. Natürlich war es für mich auch eine große Umstellung, aber die Jungs haben mir Selbstvertrauen gegeben, haben mich dazu ermutigt, meinen Stil beizubehalten und das zu zeigen, was ich kann“, ist Stützle der Sprung vom Nachwuchs- ins Männereishockey auch dank des Rückhalts der Mannschaft hervorragend gelungen.

Doch Stützle weiß, dass noch jemand einen großen Anteil am bisherigen Verlauf seiner Karriere hat. „Ein großer Dank gebührt meinen Eltern, die mich immer unterstützt und durch die Gegend gefahren haben. Außerdem behauptet zumindest mein Vater immer, dass ich mein Talent von ihm habe und ich irgendwann mal noch sein Niveau erreichen werde“, bringt Stützle selbstredend das notwendige Talent für eine große Karriere mit. So viel Bereitschaft zur harten Arbeit und ebendiese nicht unerhebliche Portion an Talent sind den Scouts des NHL-Clubs natürlich nicht verborgen geblieben. „Seit ich für die Adler spiele, ist das Interesse an mir sehr gewachsen. Das ehrt mich. Die Scouts schreiben mich im Vorfeld eines Spiels an, wollen mich im Nachgang kennenlernen und wissen, was für ein Typ, was für ein Mensch ich bin. Sie wollen meine Stärken und Schwächen wissen, wollen wissen, wie ich abseits des Eises drauf bin.“

SCHRITT FÜR SCHRITT

Wenn es Ende Juni 2020 dann endlich so weit ist, wird Stützle nach Montreal zur Talentziehung der NHL reisen. „Ich will Schritt für Schritt meinen Weg gehen und es einfach nur in die NHL schaffen. Danach wird man sehen, was kommt. Einen speziellen Draftwunsch habe ich nicht, am Ende kann man es ohnehin nicht beeinflussen“, nimmt es Stützle pragmatisch, dass ihm ausgerechnet diese Lebensentscheidung abgenommen wird.
   
Datenschutz