Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil

Vom Smaragd zur Perle

SONNENBRILLE: Sie gehört zum Sommeroutfit wie ein Klecks Sahne auf den Erdbeerkuchen.


Vom römischen Kaiser Nero kursieren viele Geschichten, die den Verdacht nahelegen, er sei mit einem gewissen Hang zur Dekadenz gesegnet gewesen. Stimmt eine davon, dann wusste er diese Dekadenz aber durchaus mit Sinn für das Praktische zu verbinden. Gladiatorenkämpfe gehörten zu den größten Freizeitvergnügungen des Herrschers – und damit ihn die Sonne nicht blendete, verfolgte er sie mit einem Smaragd vor den Augen. Durch die grüne Brille also. Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit dieser frühen Form der Sonnengläser ziehen Optikermeister von heute sehr in Zweifel, doch der exzentrische Imperator hat sich damit dennoch sein Plätzchen in der Geschichte der Sonnenbrille gesichert, die einige Wendungen genommen hat: vom medizinischen Hilfsmittel für Patienten mit Augenleiden zum coolen Merkmal militärischen Durchblicks und schließlich zum modischen Accessoire für jedermann und jederfrau.

Auch die Inuit hatten früh experimentiert, um sich gegen die Reflexion der Sonne im Schnee und drohende Erblindung zu schützen. Vermutlich waren gerade keine Smaragde zur Hand, dafür aber jede Menge Seehundknochen, daher schlitzten sie schmale Durchlässe in diese und banden sie vors Gesicht. In Europa soll es ähnliche Versuche mit Holz gegeben haben, ehe das Brett vorm Kopf durch Bernstein-Gläser abgelöst wurde, doch erst die wissenschaftliche Forschung im 19. Jahrhundert und Visionäre wie Carl Zeiss oder Josef Rodenstock entwickelten erste tatsächlich wirksame Sonnenschutzbrillen. Wer nicht musste, trug sie nicht. Bis das Militär ihre Vorteile entdeckte und seine Piloten damit ausstattete.

Ende der 30er Jahre brachte Ray Ban sein Model „Aviator“ auf den Markt – bis heute ist die Pilotenbrille ein Klassiker, den längst nicht mehr nur Männer tragen. Für die Damenwelt wurden nach dem Zweiten Weltkrieg die leidenschaftlichen Brillenträgerinnen Gina Lollobrigida, Sophia Loren oder Brigitte Bardot zu Role Models, die Kollektionen deutscher Hersteller trugen die Namen von Sehnsuchtsorten in Italien. Heute wird die Sonnenbrille auf Kinoleinwänden und im wirklichen Leben von (fast) jedermann getragen – von Cops und Ganoven, den Guten wie den Bösen. Und sie erfüllt viele Zwecke: Sie schützt die Augen gegen UV-Strahlung, aber sie verhüllt auch den Blick, sie macht unnahbar und grenzt ab. Und sie ist ein Statement für Stil, Persönlichkeit und Geschmack.

Entsprechend groß ist das Angebot für jede Nase. Auch in diesem Sommer. Die Pilotenbrille geht in dieser Saison, allerdings sollte sie dieses Jahr über einen zweiten Steg, die „Bridge“, verfügen. Die großen schwarzen blickdichten Modelle bleiben angesagt, doch wer es lieber winzig mag, wird mit einer Mini- oder Micro-Brille im Stil der 90er Jahre genauso glücklich. Auch Katzenaugenformen sind ein Trend, und ganz sportliche Modelle mit verspiegelten Gläsern dürfen derzeit nicht nur auf dem Rennrad, sondern auch im Café getragen werden.

Wer die Welt am liebsten durch die rosarote Brille sieht, hat 2018 die große Auswahl an transparenteren Gläsern in allen Pastelltönen. Doch auch ein Hauch Exzentrik ist erlaubt. Chanel zum Beispiel dekoriert seine Fassungen in diesem Jahr mit Perlen. Zum Trendsetter ist der gute Nero mit seinem Smaragd dann doch nicht geworden. Ute Maag


Zurück aus den 90ern

TREND: Jeans kommen nicht aus der Mode – im Gegenteil, wie die Mom-Jeans zeigt.

BILD: stock.adobe.com - Khanykov.com
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Sie ist umstritten, und gerade viele Ältere fragen sich: Warum ist die Mom-Jeans zurück in Mode? „Die hohe Taille und die nach unten verengende Form lassen viele Frauen zunächst daran zweifeln, dass dieses Kleidungsstück der Figur schmeicheln kann“, erläutert der Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt. „Der Po erscheint zwar flacher, aber auch breiter.“ Aber er nennt einen wirklich guten Grund zum Griff zu der Hose: „Die hochtaillierte Jeans lässt die Silhouette harmonischer und schlanker wirken und kaschiert Problemzonen mit Bauch-weg-Garantie.“ Außerdem verleihe die Mom-Jeans Casual-Looks einen authentischen Retro-Charme.

LÄSSIGER LOOK

Die sogenannten Mom-Jeans haben einen hohen Taillenbund, der bis über den Bauchnabel reicht, erläutert Rose. Die Hosenbeine haben eine Karottenform, die unten schmaler wird. Und oft werden sie umgekrempelt. „Die Gesäßtaschen sitzen höher als bei der Durchschnittsjeans, der Schnitt umspielt tolerant die Hüfte“, ergänzt der Modeberater. „Die Mom-Jeans wird nicht mit T-Shirt oder Crop-Top getragen, sondern mit damenhaften Blusen oder androgyn wirkenden Hemden, die lässig in den Hosenbund gesteckt werden“, erklärt Rose.

„Tragt einen Gürtel mit auffälliger Schnalle. Herrenschuhe wie Loafer oder Brogues geben dem Denim-Must-have einen besonders lässigen Look und bewahren vor der ,Bieder-Falle’“, rät der Mode-Fachmann. dpa/tmn/imp

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