Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Gründer Philipp Kohl und Donni Schoenemond des Mannheimer Filmproduzenten-Start-UPs „Gallion“

START-UP: Philipp Kohl und Donni Schoenemond sind die Gesichter von „Gallion“ – und feilen mit ihren herausragenden Produktionen am Ruf als Film-Stadt. 


Von Stephan Eisner  

Menschen stehen im Mittelpunkt. Sie planen die Zukunft, recyceln das Wiederverwertbare, reißen ab, investieren oder organisieren die kurzzeitige Unterbringung von fast 10 000 Flüchtlingen. Mitten in Mannheim – und sie kommen zu Wort. „Niemandsland“ heißt der Film, der sich um Benjamin Franklin Village dreht. Dort, wo rund 8000 US-Amerikaner auf dem Armeegelände lebten. Und wo heute ein neuer Stadtteil ganz nahe am Zentrum entsteht.

„Kraft der Vision“, sagt ein Protagonist im Film. „Man muss sich vorstellen, wie es sein könnte, nicht, wie es ist.“ Das könnte auch das Motto von Philipp Kohl und Donni Schoenemond sein. Zwei Filmemacher und die Gesichter der Produktionsgesellschaft „Gallion“, die deutschlandweit für Aufsehen sorgen. Filmemacher in einer Musikstadt? Genau. Hat die Quadratestadt durch die Popakademie auch außerhalb der Metropolregion im Musikbereich inzwischen einen Ruf wie Donnerhall, könnte das künftig womöglich auch auf den Film zutreffen. Das wäre dann ein Verdienst von Kohl und Schoenemond.

Wir treffen die beiden auf dem Alten Messplatz. Philipp Kohl und Donni Schoenemond haben sich diesen Ort ausgewählt, weil er für sie beispielhaft für Mannheim ist. „Hier vereinen sich ganz viele gute Sachen“, sagt Philipp Kohl. „Es ist wie auf einer Piazza, hier kommen alle zusammen, Ost-West, verschiedene Kulturen und Altersklassen“, sagt er. „Das gibt es nicht so oft“, ergänzt Donni Schoenemond.

An solchen Orten holen sie sich Inspiration für ihre Filmprojekte. Beide sind 34 Jahre alt, haben sich vor acht Jahren kennengelernt, auf Anhieb verstanden. Und das tun sie heute noch. Philipp Kohl ist der Ideengeber, er findet die Themen, recherchiert. Und Donni Schoenemond ist der Mann „fürs Ästhetische“. Die beiden schneiden dann die Filme zusammen in ihrem Büro im Gründerzentrum C-Hub am Verbindungskanal in der Hafenstraße. Kohl sucht die Musik heraus, führt die Interviews und stellt sich immer wieder die Frage: „Wo kommt der Mensch zum Tragen?“

„Dass wir uns sehr gut verstehen schließt nicht aus, dass wir viel diskutieren – manchmal auch kontrovers“, erzählt Kohl. Jeder setze seine eigenen Schwerpunkte. Der Mannheimer, in der Hedwigsklinik geboren, hat am 27. August Geburtstag. Das wäre an sich nichts Besonderes, wenn nicht auch seine beiden Eltern an diesem Tag Geburtstag hätten. Und um es möglichst einfach zu halten, ist Philipps Mutter auch noch eine geborene Kohl. Mit 18 zieht Philipp Kohl vom Almenhof in die Quadrate. „Damals habe ich exzessiv Gitarre und Volleyball gespielt“, sagt er. Später folgt das Studium der Politik und Ethnologie in Heidelberg. „Die Verantwortung gegenüber den Bands und den Mannschaften, in denen ich gespielt habe, hat dafür gesorgt, dass ich nie weggegangen bin“, blickt er zurück. Und die Liebe zu Mannheim.

Musik für Filme zu machen – das ist ein lange gehegter Traum von Philipp Kohl. Und am liebsten will er beides miteinander kombinieren. „Also beschloss ich, selbst einen Film zu machen.“ 2009 – „Transnationalmannschaft“. „Die Idee kam mir während einer S-Bahn-Fahrt nach Heidelberg.“ Die Geschichte: In „Transnationalmannschaft“ erzählen sieben Mannheimer darüber, wie sie die Fußballweltmeisterschaft 2010 im multikulturellen und bunten Jungbusch und in der Filsbach erlebt haben. Für den Film bekommt Philipp Kohl 2012 die Integrationsmedaille der Bundesregierung.

2013 gründet Donni Schoenemond „Gallion“ als Gesellschaft, Philipp Kohl ist seit 2014 freier Mitarbeiter, wird 2015 Gesellschafter. Der Name Gallion „kommt von der Nähe zum Hafen – und weil es ein schönes Wort ist“, sagt Schoenemond. Der Vater einer kleinen Tochter steht schon mit acht Jahren hinter der Kamera. In der Eifel. Und er macht viel Musik. „Ich kann ganz unterschiedliche Instrumente spielen, die ich mir selbst beigebracht habe. Man hatte ja nichts auf dem Land“, erzählt er schmunzelnd. Und so stiftet er seine Freunde an, mit ihm Filme zu drehen und Bands zu gründen. Als Student der Popakademie spült es Schoenemond 2004 nach Mannheim. Und weil er keine „Abwaschmusik auf Hochzeiten spielen“ will, zieht er mit seiner Band herum und beginnt 2006, sozusagen als Youtube-Pionier, dort selbst gemachte Filme einzustellen.

„Ich bin sehr froh, dass wir uns gefunden haben. Donni ist voll von Talenten“, unterstreicht Philipp Kohl. Und Schoenemond schätzt an Kohl „seine Ruhe. Ich mag es, wenn er mir etwas erklärt. Er ist sehr klug.“ Da beide vielseitig einsetzbar sind – Donni Schoenemond überzeugt auch als Sprecher in den Filmen –, schaffen sie es, mit kleinem Budget herausragende Filme zu machen.

„Wir müssen natürlich auch Geld verdienen, unsere Mieten bezahlen“, stellen sie fest. Und das passiert über die Produktion von Filmen für Unternehmen und die Stadt Mannheim. Dokumentationen sind oft wenig Gewinn bringend und zeitaufwendig, so dass immer mehrere Produktionen parallel laufen müssen – mindestens zwei, „manchmal sind es sogar acht“. Unterstützt werden sie von Freischaffenden. „Für die 82 Minuten von ,Niemandsland’, haben wir einen Drehzeitraum von eineinhalb Jahren gehabt“, sagt Schoenemond. Inklusive Konzept sind es sogar zwei Jahre. Zurzeit arbeiten die beiden an einem 60-minütigen Porträt über den Absolventen an der Mannheimer Popakademie und dreifachen Echo-Gewinner Joris („Herz über Kopf“), das in diesem Herbst fertig sein soll.

Und wo sehen sich die beiden in zehn Jahren? „Wir sind Künstler und Unternehmer. Es bedarf viel Organisation“, sagt Donni Schoenemond. „Unser Ziel ist es, eine Marke aufzuladen.“ Und sie sehen eine Verantwortung gegenüber der Stadt und der Kultur. Dennoch sei es kein skalierbares Geschäftsmodell. „Wir wollen weiter Filme machen, wie wir sie immer gemacht haben. Es ist eher eine Manufakturarbeit, keine Großproduktion. Und das wollen wir für die Qualität auch so belassen“, sagt Schoenemond.


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Stefan Kleiber
Vorstand, Sparkasse Rhein Neckar Nord

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„Mannheim hat viel zu bieten – ob wirtschaftlich, kulturell, sportlich oder kulinarisch. Diese Vielseitigkeit bei gleichzeitig kurzen Wegen findet man selten. Das macht die Stadt und auch die Region drumherum äußerst reizvoll.“ 
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