Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil - Frühjahr 2018

Ordentlich in Schieflage

SCHNITT DER SAISON: Der asymmetrische Schnitt für Frauen ist bei fast jedem Designer für Frühjahr und Sommer 2018 zu finden

BILD: mbyM/dpa-tmn  
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Ganz schön schräg. Ordentlich in Schieflage. Mit einem Element der Frauenmode für dieses Frühjahr und den Sommer lassen sich so einige Wortspiele anstellen. Asymmetrie ist eines der Trendthemen – vor allem die schräg sitzenden Ausschnitte und Ärmel mit einer freiliegenden Schulter. Das haben Frauen vor allem international renommierten Designern zu verdanken, allen voran Balenciaga. Die Firma gilt als Trendsetter für diese ungleichmäßigen Schnitte. Jedoch ziehen auch viele andere Designer gerade mit.

Asymmetrie sei Teil des Modetrends, den man Dekonstruktion nennt, sagt Modeberater Andreas Rose aus Frankfurt. „Dabei werden Kleidungsstücke auseinandergenommen und neu zusammengesetzt, gern auch asymmetrisch.“ Die Wirkung ist immer ungewöhnlich, vielfach aufgrund der klaren Linien sogar architektonisch.

„Man findet asymmetrische Linien im Frühling eigentlich überall“, berichtet die Stilberaterin Maria Hans aus Hamburg. „Kleider, Röcke, Tops und Blusen machen den Trend mit.“ Es kommt sogar zu einem quasi branchenübergreifenden Trend: Die sogenannte One-Shoulder-Blouse. Bei der Fashion Week in New York für Frühjahr/Sommer 2018 gab es kaum Designer, die nicht mindestens eine der Blusen im Repertoire hatten.

Kreative Styling-Ideen

„Eine solche Bluse lässt sich auch ohne viel Aufwand selbst machen, in dem man einfach ein Hemd lose knöpft, so dass es über eine Schulter nach unten rutscht“, verrät Maria Hans ihren Styling-Tipp. „Man kann durchaus auch ein schlichtes Herrenhemd falsch zuknöpfen, so dass eine Seite länger ist als die andere – Asymmetrie zum Selbermachen“, empfiehlt Rose. Besonders lässig sieht der One- Shoulder-Trend auch aus, wenn man einen weiten und kastenförmig geschnittenen Pullover trägt – und auch ihn lässig an einer Schulter herunterrutschen lässt. Off-Shoulder-Blusen haben innerhalb des Trends die wohl besten Chancen, sich flächendeckend durchzusetzen. „Das liegt daran, dass damit fast jede Frau diesen Stil mitmachen kann“, erklärt Rose. „Wichtig ist dazu aber noch etwas anderes: ein trägerloser BH nämlich. Das gilt vor allem für Frauen mit mehr Oberweite.“

Ein Look, der alle Blicke auf sich zieht

Man müsse sich bewusst sein, „dass dieser Look wirklich alle Blicke auf sich zieht“, sagt Einkaufsberaterin Anette Helbig aus Hannover. „Daher sollte man als Trägerin schlank und auch nicht zu klein sein.“ Sie rät, diesen Stil vor allem in der Freizeit zu tragen. Wer auch im Job die Finger nicht von schrägen Sachen lassen möchte, „sollte sie bewusst reduzieren“, ergänzt Helbig. „Eine schräge Vorderpartie bei einer edlen Bluse, dazu einen schlichten, schmal geschnittenen Rock – das geht auch im Business.“ Bei einem langen Kleid mit asymmetrischem Zipfelsaum sei das anders. „Was ebenfalls funktioniert, weil es nur gemäßigt asymmetrisch ist, sind Wickelröcke. Vor allem schmale, wadenlange Modelle liegen dabei im Trend und lassen sich toll zu weiten Blusen im Hemdenstil kombinieren.“

Allerdings kann man Asymmetrie auch ganz anders mitmachen: „Es gibt in der Saison auch viele Muster, die bewusst asymmetrisch eingesetzt werden“, erklärt Modeberaterin Hans. „Dazu gehört vor allem der klassische Streifen, der dadurch eine ganz neue Optik erhält.“ Da Streifen bekanntlich schlank machen, wenn man sie richtig einsetzt, bekommt der schräge Trend sogar noch einen Zusatznutzen.

Doch damit nicht genug der schrägen Modeansichten: „Auch der Biker-Zipper, also der schräg verlaufende Reißverschluss an Lederjacken, ist in dieser Saison wieder angesagt – und gibt einem Outfit rockigen Charme“, sagt Maria Hans.

Text: dpa

Expertenmeinung

"Sie muss wirken können"

„Asymmetrie ist immer wieder ein Thema in der Mode, meistens aber eher in der Avantgarde. In kommerziellen Kollektionen beschränkt sich Asymmetrie in der Regel auf Details wie Kragenformen, Taschen, Verschlusslösungen oder Saumlinien,“ erklärt Manuel Fritz, Leiter der Mode- und Designschule Manuel Fritz in Mannheim.

In der Ausbildung zum Modedesigner ist Individualität und die Wirkung der Kleidungsstücke besonders wichtig. Daher weiß der Modegestalter: „Wichtig bei asymmetrischen Styles: Die Asymmetrie muss wirken können. Daher ist hier weniger meist mehr. Zuviel asymmetrische Linienführungen wirken schnell beliebig und verlieren damit ihre Statement-Wirkung.“