Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Mode-Unternehmerin Katrin Leiber mit Showroom in der Textilerei in den Mannheimer Quadraten

MODE: In der Textilerei in den Mannheimer Quadraten entwickeln junge Designer handgefertigte Mode und Accessoires. Die Stadt Mannheim ist Vorreiter bei der Unterstützung der Kreativszene.


Von Ute Maag 

Erfindergeist hat Mannheim zu allen Zeiten geprägt. Auto, Traktor, Fahrrad – was sich vorher niemand vorstellen konnte, wurde hier Wirklichkeit. Auch Katrin Leiber stammt aus einer höchst innovativen Familie. Doch während Vater und Bruder zahlreiche für die Automobilindustrie wichtige Patente halten, hat die Designerin sich auf ein anderes Gebiet verlegt: Mode.

Die Mannheimerin hat lange in Paris gelebt und gearbeitet. Nach dem Studium an der renommierten Modeschule ESMOD entwarf sie Handtaschen, die rasch internationale Fans fanden. Zurück in der Heimat erweiterte sie ihr Portfolio um Damenschuhe. Der Clou: Die Absätze der Pumps lassen sich ganz einfach auf Knopfdruck austauschen. Den Mechanismus hat sie sich patentieren lassen. Und weil die Hacken ganz unterschiedlich gestaltet sind – von hochwertigem Leder in der Farbe des restlichen Schuhs bis zu aufwendig beklebten und perlenbesetzten Teilen – lässt sich so aus einem Paar mit nur zwei Handgriffen ein ganz anderes Modell zaubern. Auch bei der Herstellung ihrer Taschen geht Katrin Leiber inzwischen neue Wege: Die aktuelle Kollektion entsteht im Drei-D-Drucker und lässt sich dank wechselbarer Applikationen an den Seiten nach Anlass, Lust und Laune verwandeln.

Ihren Showroom hat die Mode-Unternehmerin in die Textilerei verlegt, ein schmuck restauriertes denkmalgeschütztes Barockhaus in den Mannheimer Quadraten. Seit drei Jahren arbeiten in den Ateliers unter diesem Dach Gründer in der Modebranche Tür an Tür. Im Shop im Erdgeschoss präsentieren sie ihre Marken, die Produktionswerkstätten mit einem hochwertigen Industriemaschinenpark stehen allen zur Verfügung. Acht Gründerzentren betreibt die Stadt Mannheim insgesamt, fast 300 junge Firmen im Branchenmix aus Musik- und Kreativwirtschaft, Informations- und Medizintechnik sowie Technologie finden hier wertvolle Unterstützung, die weit über das Angebot an günstigen Arbeitsräumen hinausgeht.

Katrin Leiber schätzt vor allem das Netzwerk, das ihr die Textilerei bietet, und den Austausch mit Gleichgesinnten. Ihren Showroom teilt sie mit der Maßschneiderin Denise Kuwilsky und deren Label „designed by denise“, und Leiber findet: „Ihre Mode und meine Accessoires ergänzen sich toll.“ Jetzt denken beide über gemeinsame Projekte nach. „Genau das ist eines unserer Ziele“, sagt Nico Hoffmeister, Community Manager und so etwas wie der Hausherr der Texilerei. Der marketing- und PR-erfahrene Betriebswirt hat viele Jahre Berufserfahrung in der Modebranche bei Falke und Sixty gesammelt, die er nun in seiner Heimatstadt an die Gründer weitergibt. Vernetzen ist sein großes Thema: Einige der Designer hat er zur Berliner Fashion Week und auf andere Messen geschickt, und steht in der Innenstadt ein Ladengeschäft leer, versucht er den Besitzer zu begeistern, die Fläche als temporären Shop an einen oder mehrere seiner Schützlinge zu vermieten. „Die Präsenz in der Stadt schafft Aufmerksamkeit“, hat er festgestellt. Und der direkte Kontakt zum Kunden gibt den Kreativen auch ein Feedback darüber, was wie gut ankommt.

Auch Corinna Andres ist Mieterin in der Textilerei. Die selbstständige Unternehmensberaterin ist eine Quereinsteigerin in die Modebranche: Weil sie das Angebot an Blusen nie so richtig überzeugte, beschloss sie, ein eigenes Label zu gründen – „freifrau“, für, so Andres’ Selbstauskunft, „moderne, weltoffene Frauen, die mitten im Leben stehen und den Anforderungen des täglichen Lebens mit Integrität und Lebenslust begegnen.“ Wesentlich jünger ist die Zielgruppe von „Piaf & Ponti“: Für Kinder produzieren Dolunay Erdar und Steffan Knecht Kleidung aus öko-zertifizierter Baumwolle. Genäht wird in der Textilerei und Steffan Knecht ist sicher: „Die Stadt macht hier ein ganz besonderes Angebot an junge Unternehmer. Wir profitieren extrem von den guten Bedingungen hier.“ Auch Modedesigner Gabriel Trauth und Unternehmer Marcel Hofmann von „trauth“ haben sich, unterstützt von der Textilerei, mit Berufskleidung am Markt etabliert. Ihre Schürzen sind Kult weit über die Szene der jungen Spitzenköche hinaus – möglicherweise werden sie daher nicht mehr lange im Gründerzentum in C4 bleiben. Nico Hoffmeister freut sich über diese Entwicklung, auch wenn ihm die Durchstarter ans Herz gewachsen sind, wie er offen zugibt. „Unser Konzept sieht vor, dass die Unternehmen bis zu fünf Jahre bei uns bleiben können“, erklärt der Community Manager. „Aber irgendwann sollten sie aus der Textilerei rauswachsen.“ Nachfolger für die begehrten Ateliers stehen dann schon bereit. Denn Mannheim ist auch im Bereich Mode eine Stadt der kreativen Köpfe.

Datenschutz