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Richtig beraten

NACHLASS: Auflagen im Testament – was sie bedeuten und was Erblasser dabei beachten sollten.

Das Haus soll im Familienbesitz bleiben, das Vermögen nicht spekulativ angelegt, das geliebte Haustier versorgt, das Grab gepflegt werden – diese und viele andere Vorstellungen und Wünsche kann der Erblasser seinen Erben im Testament zur Auflage machen. Erben können per Auflage aber auch dazu verpflichtet werden, gemeinnützigen Organisationen wie zum Beispiel Ärzte ohne Grenzen, SOS Kinderdorf oder dem örtlichen Hospiz regelmäßig eine Spende in einer bestimmten Höhe zukommen zu lassen. Den Erben wird so auferlegt, den testamentarisch beurkundeten Willen des Verstorbenen zu beachten und umzusetzen. An unmögliche, sittenwidrige oder kriminelle Anordnungen sind die Erben jedoch nicht gebunden. „Sittenwidrig wäre beispielsweise die Auflage, dass der Sohn nur Erbe wird, wenn er sich von seiner Ehefrau scheiden lässt“, so der Mannheimer Rechtsanwalt und Erbrechts-Experte Michael Ramstetter.

Das Problem von Auflagen in der Praxis ist in aller Regel aber, dass deren Einhaltung mitunter nur schwer zu kontrollieren ist. „Aller Erfahrung nach hält sich der Eifer der Erben, Auflagen zu erfüllen, in Grenzen“, so Ramstetter. Der Erblasser sollte dabei immer auch beachten, dass ein als Erbe berufener Pflichtteilsberechtigter berechtigt ist, wenn er denn mit einer Auflage beschwert ist, das Erbe auszuschlagen und seinen Pflichtteil zu verlangen.

Die Auflage sollte also den pflichtteilsberechtigten Erben nicht im Übermaß beschweren, was gerade bei Auflagen bezüglich des Erbes von Immobilien sehr schnell der Fall sein kann. Andererseits kann beispielsweise der wunschgemäß mit einer Immobilie bedachte Miterbe mit der Auflage beschwert werden, das Grab des Erblassers zu pflegen und hat dann als so belasteter Erbe sogar den Steuervorteil, dass er die Kosten dieser Auflage als Nachlassverbindlichkeit bei der Erbschaftssteuer abziehen kann. Erfüllt er dann diese Auflage nicht, so kann der andere Miterbe, der die Immobilie ebenfalls für sich wollte, nun notfalls gerichtlich durchsetzen, dass der Bedachte das Grab pflegen oder aber die Immobile herausgeben muss. „Wer sichergehen will, dass seine Wünsche und Vorstellungen nach dem Tod auch umgesetzt werden, sollte sich beim Abfassen seines Testaments unbedingt beraten lassen“, rät Rechtsanwalt Ramstetter.

Dabei kann auch erwogen werden, gegebenenfalls einen Testamentsvollstrecker einzusetzen. Einer solchen Person steht dann die Aufgabe zu, dafür zu sorgen, dass nach dem Tod des Erblassers die Auflagen des Erblassers auch tatsächlich umgesetzt werden. red

Dr. Rossa & Partner
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