Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Über das Mannheimer Wahrzeichen, den Wasserturm und das älteste der zwölf größten deutschen Wasserspiele

Von Peter W. Ragge 

Der Anlass 

Mannheim um die vorige Jahrhundertwende wächst schnell und braucht viel Trinkwasser. Das kommt aus dem Käfertaler Wasserwerk. Aber in der flachen Rheinebene sind zur Wasserversorgung Hochbehälter notwendig, um für einen konstanten Wasserdruck im Leitungsnetz zu sorgen – es gibt nicht überall Pumpen. Nach dem Gesetz kommunizierender Röhren kann das Wasser in den Hausleitungen auf die Höhe wie der Wasserspiegel im 60 Meter hohen Turm steigen. Der Hängeboden-Behälter aus Stahl, der 2000 Kubikmeter fasst, dient zuletzt noch als Reservewasserbehälter – bis vor dem Bau der Tiefgarage 1999 das Wasser abgelassen wird, damit der Turm nicht kippt.

Der Bau

1886 beginnen die Bauarbeiten, 1889 ist er fertig. Oskar Smreker, verantwortlich für die Planung der Wasserversorgung, wählt als Standort den damals noch gänzlich unbebauten Teil östlich der Quadrate aus. Der Stuttgarter Architekt Gustav Halmhuber, der auch am Bau des Berliner Reichstagsgebäudes mitwirkt, gewinnt den Architektenwettbewerb. Am Ende kostet der Turm 450 000 Reichsmark. Mit 175 000 Reichsmark hat man kalkuliert.

Die Emotionen

Der Wasserturm ist das Wahrzeichen von Mannheim, man sieht ihn auf vielen Souvenirs. Wenn die Mannheimer etwas zu feiern haben oder sich verabreden, tun sie das am Wasserturm. Seit 1987 steht er unter Denkmalschutz und hat als Kulturdenkmal besondere Bedeutung. Er gehört der MVV Energie AG, die ihn pflegt und selten öffnet – aber dann sind die Warteschlangen lang, weil jeder mal in den Turm möchte. Die Anlage genießt den höchsten Pflegestandard aller Grünflächen in Mannheim.

Die Brüder


Wasserturm Feudenheim (Wohnung)
Wasserturm Wallstadt (Büro)
Wasserturm Straßenheim (privat genutzt)
Wasserturm Seckenheim (Aufzugsmuseum)
Wasserturm Luzenberg (Teil des Schulgebäudes)
Wasserturm Rheinau (1976 abgerissen)

Die Spitze

An der Spitze thront Amphitrite, in der griechischen Mythologie die Gattin des Poseidon. Sie gilt als Beherrscherin der Meere und ist für ihre Schönheit bekannt. Der Legende nach sendet Poseidon einen Delfin nach ihr aus, auf dem sie schließlich zu ihm reitet. Die 3,5 Meter hohe Figur aus Kupferblech ist von Johannes Hoffart gestaltet. Bei Wiederaufbau nach dem Krieg hievt der Mannheimer Schlossermeister Bernhard Kaiser die Figur an die Spitze, konstruiert und schweißt das Gestell, das sie trägt.

Der Protest

Im Zweiten Weltkrieg erhält der Wasserturm einen Volltreffer und verliert sein Dach, bleibt aber stehen. Lange hat er nur ein Notdach. 1955 schreibt die Stadt einen Architektenwettbewerb aus. Im Mai 1956 entscheidet sich das Preisgericht für einen Entwurf von Rolf Volhard, der einen riesigen, modernen Kopf mit Café auf den Turm aufsetzen will. Ein Sturm der Entrüstung bricht los, beim „Mannheimer Morgen“ gehen binnen einer Woche 4868 Zuschriften ein. Daraufhin lenkt die Stadt ein, der Wasserturm wird in historischer Form wieder aufgebaut.

Die Feste

Beim Stadtjubiläum 1907 ist der Wasserturm das Herzstück, rundum entsteht die Internationale Kunst- und Große Gartenbauausstellung. Seither gilt das Areal als schönste und größte Jugendstilanlage Deutschlands. Bei der Isadora-Duncan-Aufführung wird er glänzend illuminiert. 1989 erklingt die „Sinnfonie für Amphitrite“, ein für die 30 000 Zuschauer unvergessliches Erlebnis aus Musik und futuristischer Lasershow von den Gebrüdern Hamann sowie dem Komponisten Lothar Krell. 2011 fasziniert die gigantische Welturaufführung der Multimediashow „autosymphonic“ zum 125. Geburtstag des Automobils 17 000 Besucher. 2013 zum Deutschen Turnfest wird der Turm völlig verhüllt und Zeuge vieler Konzerte und Vorführungen. Jedes Jahr ist der Wasserturm Schauplatz des Weihnachtsmarktes, Herzstück vom Blumepeterfest, von „Sport und Spiel am Wasserturm“ und an Fasnacht Standort des großen Riesenrads.

Die Wasserspiele

Die Friedrichsplatzanlage gilt als ältestes der zwölf größten deutschen Wasserspiele. Sie bestehen aus 98 Unterwasserscheinwerfern, 16 Farbwechslern sowie 178 Düsen. Die Wasserspiele sind in diesem Jahr bis 7. Oktober werktags von 12 bis 14 Uhr und von 16 bis 23 Uhr in Betrieb und wechseln alle 15 Minuten. An Wochenenden und Feiertagen laufen die bis zu 30 Meter hoch sprühenden Fontänen von 11 bis 23 Uhr. Wochentags werden die Fontänen weiß, an Wochenenden sowie Feiertagen farbig beleuchtet.
Datenschutz