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Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Mannheimer Vereine haben vom Floorball über Indiaca bis hin zu Unterwasserrugby zu bieten

VEREINE: 2747 Vereine sind in Mannheim registriert – einige davon sind echte Exoten. Dazu gehören Indiaca, Unterwasserrugby und Floorball. Ein Besuch in Mannheimer Sporthallen und unter Wasser.


Von Sibylle Dornseiff 


Sie sind so etwas wie Exoten unter den Sportlern aus der Region, spielen mit Indiaca ein von Indianern Südamerikas stammendes Rückschlagspiel (Peteca), sind beim Unterwasserrugby in drei Dimensionen unterwegs oder vereinen beim Floorball die Finessen von Hockey und Eishockey. Ihre Clubs haben so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal im Sportkreis.

Am spektakulärsten ist Unterwasserrugby, ein Raufen nach Regeln mit Schnorchel, Taucherbrille und Flossen in einem vier bis fünf Meter tiefen Becken. Dort stehen an den zwei Kopfseiten auf dem Boden zwei Körbe, in die handballgroße Bälle befördert werden müssen. Damit die sinken, sind sie mit einer konzentrierten Salzwasserlösung gefüllt und 3,5 Kilogramm schwer. Das heißt, das Passen unter Wasser geschieht nach Art des Kugelstoßens. Wie im Rugby zu Land ist vieles erlaubt, um die Gegner am Spielen zu hindern. Wer allerdings den Ball führt, ist tabu. Um sich aber überhaupt unter Wasser bewegen zu können, sind Schwimmen und Schnorcheln Voraussetzung. „Eine gute Atemtechnik erleichtert vieles, und man braucht eine gute Kondition, um mehrmals hintereinander abzutauchen“, erläutert Markus Karch die Grundzüge des Spiels zwischen zwei Sechserteams im Wasser und nochmals so vielen an Land. „Man ist circa 15 Sekunden unter Wasser, spätestens nach drei Tauchgängen wird gewechselt.“ Karch ist Vorsitzender und Trainer des TSC Shark, der 1972 als Tauchsportverein gegründet wurde, aber auch Unterwasserrugby anbietet.

„Ursprünglich, um das Tauchen im Becken abwechslungsreicher zu machen“, so Karch. Deswegen dürfen auch schon Kinder den spielerischen Umgang mit dem Ball unter Wasser probieren. Bei den Jugendlichen und Erwachsenen ist das Training leistungssportlich orientiert, immerhin spielen die Sharks seit 1992 kontinuierlich entweder in der 2. Bundesliga oder der darunter liegenden Landesliga. Übrigens mit einem bei Unterwasserrugby durchaus üblichen Mixed-Team: „Bei der Spielübersicht sind meistens die Frauen im Vorteil.“

Gemischte Mannschaften gibt es auch im Indiaca. Im Training sowieso, aber auch bei Wettkämpfen, die bis zu Weltmeisterschaften führen. Und wer glaubt, das Rückschlagspiel mit dem von einer Feder gekrönten Gerät sei kinderleicht, irrt gewaltig. Für Kleine ist der technisch komplexe Umgang mit dem Federball, der mit der flachen Hand gespielt wird, eher schwierig. „Indiaca verlangt Athletik und Koordinationsfähigkeit“, sagt Marvin Walz, der zusammen mit Marius Heller die ambitionierten Indiacas der TSG Seckenheim betreut. Die haben es immerhin schon bis zur Teilnahme an Deutschen Meisterschaften gebracht haben und treten pro Jahr bei rund 20 Turnieren an. „Die Regeln ähneln denen im Volleyball, zwei Fünfer-Teams versuchen, dem Gegner die Ballannahme so schwer wie möglich zu machen.“

Anita Welz, Mannheims langjährige Handball-Nationalspielerin, brachte Indiaca nach Seckenheim, bis vergangenes Jahr spielte sie selbst aktiv mit. „Das Alter spielt keine Rolle, auch die 70-Jährigen zeigen noch vollen Einsatz und haben viel Spaß“, sagt Hanspeter Funk, der für die freizeitsportlich interessierten Gruppen zuständig ist. „Wir fühlen uns aber nicht als Exoten, sondern betrachten Indiaca als exklusive Sportart.“

Diesen Status hat auch Floorball, eine Mischung aus Feld-, Hallen- und Eishockey mit großer Rasanz. Die Dynamik kommt vom Kunststoffball mit 26 Löchern und Dellenmuster, den Kunststoffschlägern mit auswechselbarer Schaufel und den sich ständig ändernden Spielsituationen. Einst von amerikanischen und kanadischen Jungs „erfunden“, die im Sommer eine Asphalt-Alternative zum Eishockey suchten, wurde das Stockballspiel in den 70er Jahren in Finnland (Salibandy), Schweden/ Norwegen (Innebandy) und der Schweiz zu einer internationalen Sportart mit nationalem Ligasystem und Weltmeisterschaften entwickelt. Im Gegensatz zum Eishockey ist es eher körperlos, im Gegensatz zum Hallenhockey gehört der Raum hinter dem Tor zum Spielfeld und im Gegensatz zu beiden Vorformen hat der Floorball-Keeper – er trägt als einziger Schutzkleidung - keinen Stock, darf nur mit dem Körper abwehren. Bis vor zehn Jahren hieß die Sportart in Deutschland, weil sie Elemente aus drei Hockeyarten vereinte, noch Unihockey. Weil der Name aber immer wieder auf Universitäten zurückgeführt wurde, beschloss der deutsche Verband in Anlehnung an den Weltverband 2009 die Umbenennung in Floorball.

Gleichwohl ist der Sport an Schulen und Unis beliebt. Auch die Gründer der Floorball-Abteilung des SKV Sandhofen waren Studenten, die aber mehr wollten, als nur aus Spaß zu spielen und 2015 Nägel mit Köpfen machten. Zur Wahl standen die Varianten Mix-Kleinfeld, Großfeld und Kleinfeld. „Um immer ein Team zu haben, entschieden wir uns für das Männer-Kleinfeld mit drei Feldspielern und einem Torwart. Wir haben in der Verbandsliga begonnen“, erinnert sich Abteilungsleiter Thomas Schmitt an die Anfänge. Zwei Jahre lange gehörte der SKV zu den Kellerkindern, doch im Juni gewann er sensationell die süddeutsche Meisterschaft und löste damit das Ticket zu den „Deutschen“, wo Sandhofen Siebter wurde.

Indiaca

Indiaca wird von der TSG Seckenheim angeboten. Training in der Rhein-Neckarhalle: montags 19 Uhr (Ambitionierte) und 20 Uhr (Freizeitsportler). Eindrücke vermittelt am 3. Oktober das 7. Indiaca-Turnier des Vereins. Kostenloses Probetraining ist möglich.

Indiaca@tsg-seckenheim.de

Unterwasserrugby


Unterwasserrugby kann man beim TSC Shark spielen. Das Training für Jugendliche und Erwachsene ist im Sommer donnerstags (19.30 bis 21 Uhr), im Carl-Benz-Freibad, im Winter im Hallenbad Vogelstang (Mi., 20 bis 22 Uhr). Kinder und Jugendliche werden im Rahmen von Schnorchel- und Tauchkursen spielerisch herangeführt (samstags, 12-13 Uhr, Hallenbad Seckenheim).

vorstand@shark-mannheim.de
www.shark-mannheim.de

Floorball

Eine Floorball-Abteilung hat der SKV Sandhofen. Das Clubtraining ist donnerstags (20 bis 22 Uhr) in der SKV-Halle, sonntags (18 bis 20 Uhr) in der Unisporthalle. Unikurse finden dienstags und freitags statt (20 bis 21.30 Uhr Uni-Halle).
www.skv-sandhofen.de/floorball
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