Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Mannheimer Krimiautor Manfred Krämer im Gespräch mit dem Mannheimer Morgen

LITERATUR: Krimiautor Manfred Krämer hat sich Mannheim als Handlungsort seiner Geschichten ausgewählt. Warum das so ist, welche Rolle inflationäre Mordgedanken auf deutschen Autobahnen dabei spielen und was seine Leser als Nächstes erwarten können, erzählt er hier.


Von Mira Ziegler 

Manfred H. Krämer ist ein Kurpfälzer Krimi-Autor und passionierter Lkw- Fahrer. Im Interview spricht er über die Vorzüge einer Großstadt, inflationäre Mordgedanken und seine große Leidenschaft für große Transportmittel.

Herr Krämer, Sie kommen aus Lampertheim. Ist es dort zu idyllisch? Warum ist Mannheim Spielort Ihrer Krimis?

Manfred H. Krämer: Idyllisch trifft es und ist wohl auch die charmantere Umschreibung (Krämer lacht). In Lampertheim bin ich eben nur zum Essen und Schlafen, auch wenn tatsächlich einer meiner Krimis, der „Spargelmord“ in Lampertheim spielt. Aber mein beruflicher Mittelpunkt ist Mannheim und seine Umgebung, hier ist einfach mehr los. Zudem gibt es in Mannheim mehr Leute, die auch lesen wollen.

Was meinen Sie mit „mehr los“?

Krämer: Das Tolle an Mannheim ist, dass es sich exakt die Waage hält zwischen Ruhe und „los“. Man kann unheimlich viel unternehmen, aber auch einfach entspannen. Für mich ist Mannheim neben Mauritius und Key-West (eine Stadt in Florida) einer der lebenswertesten Orte.

Was, denken Sie, macht Mannheim zu einer guten Heimat?

Krämer: Als mobiler Mensch ist das für mich definitiv die Verkehrsanbindung. Logistikstandorte sind faszinierend für Lkw- Fahrer wie mich: Das Zusammenspiel von Straßen, Schienen und Wasser ist beeindruckend. Außerdem die Attraktivität der Stadt mit ihrer Multikulturalität. Viele Leute beschweren sich über den Dreck auf der Straße – aber das ist doch Jammern auf hohem Niveau.

Was macht den typischen Mannheimer für Sie aus?

Krämer: Geradeheraus, bis es weh tut. Spricht selbstverständlich kein Wort hochdeutsch. Aber der richtige Mannheimer ist eigentlich immer lieb – wenn er sich nicht gerade im Ton vergreift (Krämer lacht).

Was verbinden Sie mit Mannheim?

Krämer: Alles, was man mit einer Großstadt verbindet – Einkaufsmöglichkeiten, Kultur, Theater. Mir persönlich gefällt der Hafen besonders, ich bin ein sehr maritimer Mensch. Schon als kleiner Junge habe ich in jeder freien Minute den Schiffen hinterhergeschaut. Aber große Fahrzeuge gefallen mir allgemein. Ich bin beruflich oft in Feuerwachen und da erwacht schnell wieder der kleine Junge in mir. Auch im Großkraftwerk Mannheim war ich schon unterwegs.

Wie kam es zu diesen Gelegenheiten?


Krämer: Als Autor bekomme ich zu Recherchezwecken glücklicherweise viele Türen geöffnet, um hinter die Kulissen zu schauen. Ich bin pragmatischer Opportunist: Wenn ich mir meine Träume erfüllen kann, dann mache ich es natürlich. Auch das gefällt mir an Mannheim: Wenn man nur mit den Leuten redet, kommt man schon weit. Ich habe durch meine Recherchen schon so viel gesehen, erfahren und gemacht. Eigentlich müsste ich Popstar werden – schließlich war sogar Elvis Lkw-Fahrer!

Wie kommt es, dass Sie Lkw-Fahrer sind?

Krämer: Ich wollte nie etwas anderes werden. Mein Vater wollte gerne, dass ich Maschinenbauingenieur werde, aber um ehrlich zu sein, war mir das zu anstrengend. „Der Kerl ist einfach faul!“ sagten meine Lehrer immer. (Krämer lacht) Außerdem war meine Leidenschaft für Lkw einfach zu groß. Noch heute kriege ich bei großen Autos große Augen – obwohl ich privat einen Smart fahre.

Werden Sie auch von Ihren Lkw-Fahrten inspiriert? Vermissen Sie bei langen Fahrten ihr Zuhause?

Krämer: Auf jeden Fall. Mordgedanken auf deutschen Autobahnen kommen einem doch inflationär in den Kopf. (Krämer lacht). Wenn ich unterwegs bin, vermisse ich gar nichts. Ich bin dann im Kopf mit meinen Figuren unterwegs. Denn die sitzen immer neben mir.

Einige Ihrer Romanfiguren sind von echten Menschen inspiriert. Befürchten Sie, dass wenn Sie über Lampertheim schreiben würden, dass es zu „nah dran“ wäre und Unmut hervorrufen könnte?

Krämer: Das glaube ich felsenfest. Das ist aber typisches Kleinstadtverhalten und auch nicht immer so. In „Rivermord“ gibt es einen jungen Türken mit einem BMW M4 und obwohl ich ihn in einer wenig schmeichelhaften Szene spielen lasse, hat sich sein lebendiges Vorbild unheimlich amüsiert und gefreut. Er wollte schon immer mal einen BMW M4 fahren.

Warum Krimis? Sie haben doch mit Kinderbüchern angefangen.

Krämer: Da sind die Kinder dran schuld. Man denkt, Kinderbücher schreiben ist so süß und einfach – denkste! Da arbeiten die schärfsten Lektoren überhaupt. Alles muss eine Botschaft haben, und man muss auf jedes Wort achten. Irgendwann musste ich mich davon befreien und habe eine schrecklich blutrünstige Splattergeschichte geschrieben. Ich spürte, dass ich selbst eine kriminelle Energie habe, aber ich lebe sie in meinen Büchern aus und verdiene mir ehrlich mein Geld. So fing es an. Allerdings wollte ich gerne clevere Verbrecher, nicht so dumme, von denen man in der Zeitung liest.

Wovon wird ihr nächstes Buch handeln?

Krämer: Es wird der ultimative Höhepunkt der Solo & Tarzan-Reihe. Groß, dick und völlig anders. Allerdings wird es erst Ende 2019 erscheinen. Ich wollte es eigentlich in Dubai spielen lassen aber meine liebe Verlegerin Barbara Waldkirch, die mir mittlerweile eine gute Freundin geworden ist, sagte: „Wag dich! Solo und Tarzan bleiben in Mannheim!“


Lederland Viernheim

Was ich vermissen würde...

Prof. Dr. Alfried Wieczorek
Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen

BILD: REM/CAROLIN BRECKLE
BILD: REM/CAROLIN BRECKLE
„Mannheim ist eine Stadt, die durch ihre Offenheit, Vielfalt und Toleranz überzeugt und den hier lebenden Menschen eine hohe Lebensqualität bietet. Dies spiegelt sich vor allem auch in der facettenreichen Kulturlandschaft der Stadt wider, die für jeden Geschmack etwas bereithält. Mannheim hat viel zu bieten und dieser Reichtum an kulturellen Angeboten ist insbesondere auch dem bürgerschaftlichen Engagement zu verdanken, das in dieser Stadt besonders ausgeprägt ist. Die Menschen, die mit ihrem Engagement und ihren Initiativen ihre Stadt lebendig gestalten und um die man uns überall sonst beneidet, die würde ich besonders vermissen.“
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