Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Rita Delp fühlt sich in Mannheim zuhause

EHRENAMTLICHES ENGAGEMENT: Rita Delp hat eine klare Definition von Heimat: Sich nicht ausgegrenzt zu fühlen, dabei sein zu können – auch und gerade wenn Gesundheit oder Alter die Beweglichkeit einschränken. Und genau dafür setzt sie sich mit viel Eifer ein.


Von Waltraud Kirsch-Mayer

Eigentlich stammt Rita Delp aus Freudenberg im fränkischen Nordosten von Baden-Württemberg. Aber längst fühlt sie sich in Mannheim zuhause. Ohnehin bedeutet für die Mittsiebzigerin Heimat jener „Ort, wo man sich wohlfühlt“. Als sie mit gerade mal 15 Jahren vom Land in die damals noch weitgehend zerstörte Stadt an Rhein und Neckar kam, um in einem privaten Haushalt die Zeit bis zur Krankenschwester-Ausbildung zu überbrücken, ist Rita Delp mehreren Menschen begegnet, die es ihr leicht machten, sich in der zunächst fremden Umgebung zurecht zu finden und schließlich heimisch zu fühlen. Was sie einst als Hilfe erfuhr, möchte die Caritas-Ehrenamtliche an andere weiterzugeben.

Ihr Leben habe sich anders als zunächst geplant entwickelt, erzählt sie. Aus der Schwestern-Ausbildung wurde nichts, weil sie ihren späteren Mann kennenlernte, früh heiratete und Kinder bekam. Als die beiden Söhne aus dem Gröbsten waren, überlegte Rita Delp, etwas Sinnvolles zu tun – und entschied sich fürs Ehrenamt. „Weil ich unbezahlbar bin“, kommentiert sie lachend und kramt ein Ausweisheftchen hervor, das ihre Zugehörigkeit zu den Caritas-Konferenzen Deutschlands (CKP) seit 1979 belegt. Auch wenn sich die Aktivitäten des katholischen Wohlfahrtsverbandes im Laufe der Jahrzehnte gewandelt haben, so spielte und spielt Heimat stets eine große Rolle: wenn Lebensbedingungen in Herkunftsländern schwierig sind, wenn Menschen vor Zerstörung und Gewalt fliehen – heute wie früher. Rita Delp berichtet, wie sie mit anderen Caritasfrauen Pakete mit gesammelten Kleiderspenden packte, um diese nach Polen zu schicken. Es war die Zeit, als hinter dem Eisernen Vorhang noch viele Familien darbten. Sie erinnert sich auch gut daran, wie für bosnische Kriegsflüchtlinge, die es nach Mannheim verschlagen hatte, Deutschunterricht organisiert wurde: Weil Sprache Ankommen in der Fremde erleichtert.

Als Mitte der 1990er Jahre in Käfertal-Süd mit dem Rott vom Reißbrett ein Wohngebiet hochgezogen wurde, war für Rita Delp als Vorsitzender der Caritaskonferenz St. Laurentius schnell klar, dass neu errichtete Häuser allein noch nicht das Gefühl vermitteln, an einem Ort zu Hause zu sein. Damals entstand ein runder Tisch von drei Pfarreien, bei dem auch Ideen zum Fördern des Miteinanders aller Generationen geboren wurden. Sie sei schon ein wenig stolz darauf, sagt Rita Delp, dass ihr mit Unterstützerinnen organisiertes Dienstag-Frühstück für Senioren zu einer Institution geworden ist. Manche Stammbesucher, inzwischen jenseits der Achtzig, seien von Anfang an (und damit seit 15 Jahren) dabei – nicht nur wegen des gedeckten Tisches. Neben Brötchen und selbstgemachter Konfitüre werde vor allem die gegenseitige Vertrautheit, die Möglichkeit sich auszutauschen goutiert.


Weß - Sonnenschutz, Tore, Steuerungen

Dass Gemeinschaft ein zartes, oftmals nur langsam wachsendes Pflänzchen ist, weiß die Caritas-Frau von ihren Besuchen bei zugezogenen Pfarreimitgliedern. Nicht selten wird sie bereits via Sprechanlage oder an der Wohnungstür abgewimmelt und kommt gar nicht richtig dazu, Stadtteil- Neubürger willkommen zu heißen, mit ihnen über Gott und die Welt wie auch Begegnungsmöglichkeiten zu sprechen. „Der Besuchsdienst ist schwieriger geworden.“ Und dennoch gebe es immer wieder gute Gespräche, aus denen sich etwas entwickelt – dies seien „Glücksmomente“, die motivieren, weiterzumachen. Ohnehin hat Rita Delp gelernt, dass Engagement auch eine gehörige Portion Bereitschaft verlangt, Frust wie Fehlschläge hinzunehmen – ohne aufzugeben.

Fünf Jahre lang hat sie sich gemeinsam mit Bezirksbeiräten für eine ebenerdige wie barrierefreie Querung zwischen der Mannheimer- und der Weinheimer Straße eingesetzt. Sie wusste aus Gesprächen, dass sich Gehbehinderte in der Unterführung schwer taten und mit einem Rollator sogar scheiterten. Deshalb hat sie Unterschriften als „Auftrag“ an die Kommunalpolitik gesammelt, viele davon vor und in dem Tunnel. Der Einsatz hat sich gelohnt: 1,4 Millionen Euro investierte die Stadt in die ampelgesteuerte Fußgänger-Querung, die auch die von der B 38 geschaffene Trennlinie zwischen dem nördlichen und südlichen Stadtteil Käfertal abschwächt. Inzwischen läuft Rita Delp „von Pontius bis Pilatus“, um zu erreichen, dass es im Ortskern wieder einen Supermarkt gibt, der auch ohne Auto erreichbar ist. Die Möglichkeit, selbst einkaufen, im Laden Ware auswählen zu können, sieht sie in einer älter werdenden Gesellschaft als „soziales Angebot“. Heimat bedeutet für die 75-Jährige, sich nicht ausgegrenzt zu fühlen, dabei sein zu können – auch und gerade wenn Gesundheit oder Alter die Beweglichkeit einschränken.

Warum Mannheim Heimat ist...

Dietmar Brixy
Künstler

BILD: GROSS
BILD: GROSS
„Heimat ist für mich da, wo man Wurzeln geschlagen hat, wo man seine Kindheit erlebt hat. Ich bin ein waschechter Rheinauer Bu’, im dortigen Nachbarschaftshaus konnte ich schon als kleiner Junge meine Kreativität ausleben. Heute sehe ich mich auch ein bisschen als Botschafter, der die Mannheimer Mentalität in die Welt trägt. Ich liebe den ehrlichen, direkten Menschenschlag, auch den Dialekt, ich pflege meine Rituale wie die Spaziergänge mit den Hunden auf dem Rheindamm, und ich mag Mannheims Weltoffenheit und Multikulti-Atmosphäre mit dem großen friedlichen Miteinander. Und ich hoffe, dass wir uns das alles auch bewahren. Nach jeder Reise freue ich mich, ins Alte Pumpwerk und in meinen Garten, in die vertraute Umgebung und zu vertrauten Menschen zurückzukommen. Das ist ein schönes Gefühl. Vermutlich reist man ja vor allem deshalb: um wieder heimzukommen.“
Datenschutz