Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Mannheim von A bis Z: Von Blitzableiter über Duden bis hin zu den Zeppelinen

Von Peter W. Ragge 

Abkommen gibt es gleich zwei, die den Namen der Quadratestadt tragen. Einmal das „Mannheimer Abkommen“ zwischen der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften, das beim SPD-Parteitag in Mannheim 1906 geschlossen wurde. Darin erkennen sich beide als unabhängige, gleichrangige Partner im Kampf für gemeinsame Ziele an. „Mannheimer Akte“ nennt man die „Revidierten Rheinschiffartsakten“, am 17. Oktober 1868 im Mannheimer Schloß von den Rheinanliegerstaaten Baden, Bayern (für die Pfalz), Frankreich, Hessen und Preußen abgeschlossen. Sie garantieren den Verzicht auf Steuern und freie Schiffahrt auf dem gesamten Rhein. Belgien, Großbritannien und die Schweiz sind später beigetreten. Als älteste europäische Konvention ist die Akte weiter gültig, die Kommission zu ihrer Überwachung saß bis 1920 in Mannheim, seither arbeitet sie in Straßburg. Am Rheinufer steht ein großer Fahnenmast, um an das Abkommen zu erinnern.

Blitzableiter ist eine Mannheimer Erfindung. Johann Jakob Hemmer, Leiter des Physikalischen Kabinetts am Hof des Kurfürsten, entwickelte den „Hemmerschen Fünfspitz“ 1776, um das Schloss und die benachbarte Sternwarte vor Blitzeinschlägen zu schützen.

Carl Philipp (aus dem Hause Wittelsbach) war der Kurfürst, der sich mit den Heidelberger überwarf und deshalb 1720 die Residenz nach Mannheim verlegte. Er legte den Grundstein für das Schloss, mit einem halben Kilometer Spannweite, 500 Räumen und 1200 Fenstern die größte barocke Schloßanlage Deutschlands und eine der größten in Europa – rechnet man, wie im Barock, nach der Fensterzahl, sogar das größte, denn Mannheim hatte ursprünglich ein Fenster mehr als Versailles. Sein Neffe Carl Theodor vollendete ab 1760 das Werk. 1777/78 musste er aber die Nachfolge auf dem bayerischen Thron antreten und Mannheim verlassen. Ihm folgten der ganze Hofstaat und seine Sammlungen, die dann Grundlage der Alten Pinakothek in München geworden sind. Von München aus verfügte Carl Theodor 1799 (nach der dritten Zerstörung Mannheims in den Revolutionskriegen 1795), dass die Festung fallen soll. Ab diesem Zeitpunkt wurde Mannheim zur Handels- und Industriestadt. Das Schloss, 2007 aufwendig restauriert, beherbergt originalgetreu hergestellte Repräsentationsräme und ein kleines Museum, insbesondere aber die Universität.

Dreck, „Mannemer Dreck“, ist etwas Besonderes, nämlich das beliebteste und süßeste Mitbringsel aus der Quadratestadt, nur von einigen ausgewählten Konditoreien nach noch immer geheimgehaltenem Rezept hergestellt. Es handelt sich um ein an Lebkuchen erinnerndes Gebäck, auf Oblaten gebacken und mit Schokolade überzogen. Die Idee dazu hatte der Konditor Friedrich Brechter im Mai 1822, als die großherzogliche Polizeiverordnung bei Strafe verbot, „den im Hause gesammelten Koth mit dem Kehricht auf die Straße zu bringen“. Der Konditor legte Dreck in Gebäckform ins Schaufenster und veräppelte damit die Obrigkeit.

Duden war lange ein Mannheimer Produkt, doch hat der Verlag inzwischen Verlag den Betrieb hier eingestellt. Nach wie vor sitzt in Mannheim aber die Kommission zur Klärung von Zweifelsfällen in Sachen Rechtschreibreform, im Institut für deutsche Sprache. Auch Benz-Omnibusse, Birkel-Nudeln, Dove-Seifeprodukte, Karamalz, Zewa-Haushaltstücher und Tempo-Taschentücher sind in Mannheim hergestellte Produkte. 

BILD: LUKAC DIEHL
BILD: LUKAC DIEHL
E5 ist das Rathaus und der Sitz der Stadtverwaltung. An ihrer Spitze steht Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (SPD), den fünf Dezernenten (Amtsbezeichnung: Bürgermeister) unterstützen, zwei von der CDU und zwei von der SPD sowie eine von den Grünen. Im 48-köpfigen Gemeinderat (Wahl 2014) sind SPD und CDU mit je 13 Sitzen stärkste Fraktionen, sieben haben die Grünen, je vier Stadträte hat die bürgerlich orientierte freie Wählervereinigung „Mannheimer Liste“, drei die „Bürgerfraktion“, je zwei die FDP und die Linken. Hinzu kommen „Einzelkämpfer“ und einer von der NPD. Abgestimmt wird mit wechselnden Mehrheiten.

Fernmeldeturm, erbaut von der Bundespost (heute Telekom) zur Übertragung von Telefon-, Mobilfunk- und Datendiensten. 205 Meter hoch, Aussichtsplattform in 110 Metern Höhe, Drehrestaurant in 125 Metern Höhe, bietet wunderbaren Rundblick bis zum Odenwald und Pfälzer Wald.

Goethe, Johann Wolfgang, fand Mannheim „gleich und heiter gebaut“, wie er in „Hermann und Dorothea unter Anspielung auf die Quadratestruktur rühmte. Von 1769 bis 1815 hält er sich achtmal in Manheim auf, bestaunt die Skulpturen im berühmten Antikensaal, besucht das Nationaltheater.

Hafen, nach Duisburg größter Binnenhafen Europas. 250 000 Schiffe laufen ihn im Jahr an, schlagen 8,6 Millionen Tonnen Güter um. 500 Firmen mit 20 000 Arbeitsplätzen sind hier angesiedelt. „Mannheimer Hafenwasser“ ist eine Mischung aus fünf Edelbränden von Nebenflüssen des Rheins (Zwetschge, Kirsch, Himbeer, Williams Christ) mit 40 Prozent Alkohol, abgefüllt unter Kontrolle des Mannheimer Hafenamtes, wo es auch „Hafenperle“ (Sekt) gibt. Das Mannheimer Hafenviertel („Rotlichtviertel“) ist der sogenannte „Jungbusch“. 1968 wurde im Hafen das erste deutsche Containerterminal in Betrieb genommen.

Intercity-Fahrer kennen Mannheim als wichtigsten süddeutschen Knoten des Bahnnetzes, in dem sich die IC- und ICE-Linien von Hamburg und Hannover nach Basel und München kreuzen. Ohne die Entwicklungen und Produkte des Mannheimer Werks von Bombardier könnte kein ICE fahren. Mit dem ISDN-Pilotprojekt, 1985 in Mannheim von der Bundespost (heute Telekom) gestartet, begann die Fahrt auf der Datenautobahn der Telekommunikation.

Jesuitenkirche, von Allessandro Galli di Bibiena entworfen und 1760 fertiggestellt, gilt als größte und bedeutendste Barockkirche Südwestdeutschlands. Die Figuren der vier Kardinaltugenden sind ein Werk von Verschaffelt, das Giebelrelief stammt von Paul Egell, Deckengemälde von Asam. Im Krieg völlig zerstört, wurde der barocke, vergoldete Hochaltar durch Bürgerspenden wieder aufgebaut. 

BILD: RINDERSPACHER
BILD: RINDERSPACHER
Kulturmeile nennen die Mannheimer die Abfolge von rund 60 bedeutenden Plastiken im öffentlichen Raum, aufgestellt ab der von Heidelberg stadteinwärts führenden Augustaanlage in der Innenstadt und der Oststadt. Zur Kulturmeile gehören aber auch zahlreiche renommierte Galerien und weitere Kulturinstitutionen, darunter drei auch überregional bedeutende Museen: die gerade mit einem spektakulären Neubau erweiterte Kunsthalle (1907 gegründet, Schwerpunkt Malerei und Skulpturen sowie Grafiken des 19. und 20. Jahrhunderts), wo der Begriff der „Neuen Sachlichkeit“ geprägt wurde, ferner die für ihre großen Sonderschauen überregional bekannten Reiss-Engelhorn-Museen (Archäologie, Völkerkunde, Naturkunde, Kunst- und Stadtgeschichte, Theater- und Musikgeschichte) sowie das 1990 eröffnete, Technoseum genannte Landesmuseum für Technik und Arbeit. Auf 8000 Quadratmetern zeigt es 250 Jahre südwestdeutsche Sozial- und Industriegeschichte, wofür es 1992 mit dem Europäischen Museumspreis ausgezeichnet wurde. Der 1833 gegründete Kunstverein ist einer der traditionsreichsten Kunstvereine Deutschlands und mit 1400 Mitgliedern auch einer der mitgliederstärksten.

Lanz, Heinrich, heißt der aus Mannheim stammende Erfinder des Traktors, zunächst wegen der an einen Ochsen erinnernden Form des Zylinderkopfes und seiner Kühleröffnungen von den Bauern Bulldog genannt. Ab 1921 rollten 200 000 Exemplare des Ackerschleppers aus der Mannheimer Fabrik, 1956 übernahm der amerikanische Landmaschinenhersteller John Deere das Werk und stellt hier heute noch Traktoren her, die von Mannheim aus in alle Welt gehen.

Mannheimer Schule steht in der Musikwelt als Begriff für die Musik am Hofe Carl Theodors. Die Sinfonien der Komponisten Johann Stamitz (Musikdirektor des Kurfürsten), Ignatz Holzbauer, Franz Xaver Richter weisen als übereinstimmende Merkmale zum Beispiel das „Mannheimer Crescendo“, die „Mannheimer Rakete“ (schnelle, aufsteigende Tonfolge) und den „Mannheimer Seufzer“ auf.

Nationaltheater, 1779 als kulturelles Vermächtnis des nach München abwandernden Kurfürsten den Mannheimern hinterlassen und seither ihr Lieblingskind. Im Krieg zerstört, 1957 – obwohl die Stadt teilweise noch in Trümmern lag – unter Entbehrungen und mit Mitteln einer „Baustein-Tombola“ unter den Bürgern an neuer Stelle wieder aufgebaut. Es ist das älteste und größte kommunale Theater der Welt, ein Vier-Sparten-Haus mit Oper, Schauspiel, Ballett, Kinder- und Jugendtheater, 668 Mitarbeitern und rund 1500 Veranstaltungen im Jahr. Alle zwei Jahre Schauplatz der Internationalen Schillertage in Erinnerung an die „Räuber“- Uraufführung. Bekannte Sänger wie Waltraud Meier, Hannelore Bode, Debora Polaski, Gabriele Schnaut, Diana Damrau, Jean Cox und Franz Mazura haben hier zu Beginn ihrer Karriere gesungen. Willy Birgel stand hier in „Faust“, „Räuber“ und „Hamlet“ auf der Bühne. Auch Lessing und Goethe verbindet viel mit der Quadratestadt. Lessing ist 1777 in Mannheim, er ist als Leiter des Nationaltheaters im Gespräch. Den Posten besetzt er zwar nicht, aber Lessing kehrt später nach Mannheim zurück und wird Mitglied der „Deutschen Gesellschaft“, die 1775 von Kurfürst Karl Theodor gestiftet wurde und die Pflege der deutschen Sprache und die Verbreitung deutscher Literatur zum Ziel hatte. Goethe besucht Mannheim zwischen 1769 und 1815 siebenmal. Hier findet er Inspiration, zum Beispiel beim Betrachten der Gipsabdrücke überlebensgroßer antiker Skulpturen im „Saal der Statuen“. An seine Frau Christiane und Sohn August schreibt er 1808: „Ich empfehle, ja trage es Euch auf, nach Mannheim zu fahren!“ 

BILD: EYETRONIC - STOCK.ADOBE.COM
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Orden gibt es viele, aber nur einen „Bloomaulorden“. „Bloomäuler“ nennt man die Mannheimer, was von „Blooen“ (aufschneiden, den Mund zu voll nehmen) kommen soll. Weil das in Mannheim aber stets mit Witz geschieht, ist „Bloomaul“ ein Ehrentitel. Und einmal im Jahr wird an einen Mannheimer (oder Zugereisten), der „das Herz auf dem rechten Fleck hat“, immer der „Bloomaulorden“ verliehen, gestiftet vom langjährigen Herausgeber des „Mannheimer Morgen“, Rainer von Schilling. Ordensträger dieses hoch angesehenen „Bürgerordens“ sind zum Beispiel: Carl Raddatz, Anneliese Rothenberger, Fritz Walter, Heinz Haber, Joy Fleming, Richard Grimminger, Liedermacherin Joana, Dario Fontanella, Erfinder des Spaghettieises, und auch Reitervereinspräsident Peter Hofmann.

Parks gibt es mehrere von Bedeutung: der Friedrichspark/Friedrichsplatz, 1907 zur Internationalen Kunst- und großen Gartenbauausstellung angelegt, gilt mit den bei Dunkelheit angestrahlten Wasserspielen und den Arkaden als schönste und geschlossenste Jugendstilanlage Deutschlands. Hier steht auch der Wasserturm, das Mannheimer Wahrzeichen. 1884-86 gebaut, 60 Meter hoch und mit seinem Tank von 2000 Kubikmetern Wasser noch bis zum Jahr 2000 als Reservoir für die Innenstadt genutzt, krönt ihn Amphitrite, die Gattin des Wassergottes Poseidon. Weitere wichtige Parks: der Luisenpark, 50 Hektar groß und eine der schönsten Parkanlagen Europas. Zusammen mit dem Herzogenriedpark war der Luisenpark 1975 Schauplatz der Bundesgartenschau; die Bürger entschieden danach, dass die Grünflächen weiter eingezäunt, gepflegt und nur gegen Eintritt zugänglich gemacht werden sollen.

Quadrate prägen Mannheim, zumindest die Innenstadt. Dort gibt es keine Straßennamen, sondern man wohnt zum Beispiel in B 5,12 oder F 4,14. Das geht zurück auf die Stadtgründung 1606. Den Plan dazu fertigte der niederländische Baumeister Bartel Janson, der sich wiederum am Schachbrettmuster der Renaissance-Idealstadt des Italieners Pietro Cataneo orientierte. Nach zwei Zerstörungen (im Dreißigjährigen Krieg und im Orleanschen Krieg) baute der niederländische Festungsbaumeister Coehorn Mannheim ab 1697 wieder auf, erneut in Quadraten. Die heutige Zählung der Quadrate mit Buchstaben und Ziffern wurde im Jahr 1811 eingeführt. Innerhalb des Rings gibt es 143 Quadrate, vom Schloss und entlang der Breiten Straße gesehen links mit A bis K, rechts mit L bis U bezeichnet sowie dann innerhalb der Reihe jeweils nach außen fortlaufend numeriert. Die Hausnummern beginnen in der dem Schloss zugewendeten Ecke und laufen bei den Quadraten A-K gegen den Uhrzeigersinn, bei den Quadraten L-U indes werden die Hausnummern von der dem Schloss zugewendeten Seite beginnend mit dem Uhrzeigersinn gezählt. 

BILD: PROSSWITZ
BILD: PROSSWITZ
Rhein-Neckar-Dreieck heißt lange die Region, in deren Mittelpunkt Mannheim liegt. Im Dreiländereck zwischen Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Nordzipfel Baden-Württembergs sind 2,4 Millionen Menschen zu Hause, mit so bedeutenden Unternehmen wie ABB, Benz, der BASF, MLP und SAP stellt es den siebtgrößten Wirtschaftsraum Deutschlands dar. Vom Bundesforschungsministerium mit zwei anderen Gebieten Deutschlands wegen einer Pionierrolle bei der Forschung in Bio- und Gentechnik zur „Bioregio“ erklärt, zählt die Region seit 28. April 2005 zu den europäischen Metropolregionen.

Schiller, Friedrich, hat die freie Mannheimer Luft gerne geatmet. Der Regimentsmedicus flüchtete aus Stuttgart und ließ am Mannheimer Nationaltheater erst seine „Räuber“ (1782) und dann „Fiesko“ uraufführen, mit Iffland am Regiepult. „Jetzt lebe ich zu Mannheim in einem angenehmen dichtrichen Taumel, Kurpfalz ist mein Vaterland“, schrieb er.

Stunden, genauer „Mannheimer Stunden“, gelten noch heute für Meteorologen auf der ganzen Welt. 1780 hatte die Meteorologische Gesellschaft in Mannheim durch kurfürstliches Dekret festgelegt, dass täglich um 7, 14 und 21 Uhr die einschlägigen Wetterdaten (Windgeschwindigkeit, Windrichtung, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Temperatur) zu registrieren sind.

T6, 11 ist die Wiege des Automobils. In diesem Quadrat hatte Carl Benz seine Werkstatt. 1879 tuckerte dort der erste Verbrennungsmotor, und dann dauerte es für damalige Verhältnisse auch nicht mehr lange, bis er ihn mit einem Fahrgestell verband. Am 29. Januar 1886 erhielt Carl Benz vom Kaiserlichen Patentamt unter der Nummer 37435 das Patent auf den ersten fahrtüchtigen Motorwagen, am 3. Juli 1886 knatterte das dreirädrige, mit einem 1 PS starken Motor ausgestattete Gefährt von T 6 über den Ring und zurück. Als Bertha Benz, die erste Frau am Steuer, mit den beiden Söhnen Eugen und Richard dann zwei Jahre später auch noch eine Ausfahrt in das 100 Kilometer entfernte Pforzheim unternahm, war der Durchbruch für das neue Verkehrsmittel bald gekommen. Am 1. August 1888 wurde Carl Benz der weltweit erste Führerschein ausgestellt.

Universität, 1907 als Handelshochschule gegründet, ab 1967 Uni, ist im Schloss und in den Gebäuden darum ansässig. Rund 12 000 Studenten, vorwiegend der Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaften, lernen hier. Aus der Mannheimer Uni gingen die „Forschungsgruppe Wahlen“, die für das ZDF das „Politbarometer“ erstellt und Wahlsendungen bestreitet, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung und das Europäische Zentrum für Sozialforschung hervor. In den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zählt die Uni zu den besten europäischen Hochschulen. Das belegen Rankings, Auszeichnungen und Evaluationen. Auch die Rechts- und Geisteswissenschaften erfüllen hohe Standards. 

BILD: EBERHARD SPAETH - STOCK.ADOBE.COM
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Veloziped nannte man zunächst die Erfindung, die Carl Freiherr Drais von Sauerbronn 1817 in Mannheim machte: Zwei Räder hintereinander mit einem Sitz zu verbinden und diesen mit den Füßen abzustoßen. 15 Stundenkilometer schnell war der Tüftler mit seiner „Draisine“, als er von Mannheim bis ans Relaishaus nahe Schwetzingen fuhr. Die Idee, das „Veloziped“ mit einer Kurbel anzutreiben und dann Fahrrad zu nennen, hatte später ein anderer, aber dennoch steht die Wiege des Rads wie des Autos in Mannheim.

Wolfgang Amadeus Mozart weilte 176 Tage seines kurzen Lebens in Mannheim. Er wäre gerne ganz Mannheimer geworden, erhielt statt einer Anstellung am kurfürstlichen Hof aber nur goldene Uhren. Dafür verlor er hier sein Herz an Aloysia, heiratete dann aber doch deren Schwester Constanze. „So wie ich Mannheim liebe, so liebt auch Mannheim mich“, schrieb er nach Hause. Ein Jahr vor seinem Tod kam er nochmal nach Mannheim, um seinen „Figaro“ zu dirigieren.

Xavier Naidoo ist einer der derzeit bekanntesten Mannheimer. Er sang im Gospelchor Wallstadt, wo er aufwuchs, war nach der Realschule zunächst Koch-Lehrling und dann Türsteher. Mit dem Titelsong des regionalen Musicals „Human Pacific“ fing seine Karriere an. Wenn er auch mit seinen religiösen Liedtexten und politischen Stellungnahmen manchmal Kontroversen auslöste, so hat er durch seine Solokarriere wie auch durch die von ihm gegründeten „Söhne Mannheims“ die Stadt doch sehr bekannt gemacht.

Ypsilon ist der letzte Buchstaben des Nachnamens von Julius Hatry. Der Mannheimer baute im Auftrag von Fritz von Opel das erste Raketenflugzeug der Welt. Er war aber nicht nur dessen Konstrukteur, sondern auch der erste Pilot. Am 17. September 1929 testete er von einem Katapult, gestartet auf dem Frankfurter Flughafen, die Maschine. Neun Jahre später fand die Idee Hatrys in Ernst Heinkel (He 176) einen prominenten Nachahmer. Hatry hielt bis kurz vor seinem Tod im Jahr 2000 noch in ganz Deutschland Vorträge über seine Erfindung, pflegte engen Kontakt zu Astronauten und der Luftfahrtindustrie.

Zeppeline der Konstrukteure Schütte und Lanz starteten 1911 von Mannheim aus zur Jungfernfahrt. Gegenüber dem Aluminium-Gerüst der starren „Zigarren“-Zeppeline des Grafen Zeppelin bestanden die Mannheimer Luftschiffe aus mehrfach furnierten, wasserfest verleimten Hölzern. Im Ersten Weltkrieg wurden 22 SL-Luftschiffe eingesetzt, der Versailler Vertrag bedeutete dann aber das Ende der Mannheimer Luftschifftradition, wenngleich es die Firma (als Holzverarbeitungsunternehmen) noch gibt.
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