Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil Herbst & Winter 2018

Mal Halblang machen

Feminin: Der Midirock ist das It-Piece der Saison

Es gibt kaum ein modisches Stück, das so polarisiert wie der Midirock. Man liebt ihn, oder man hasst ihn, man findet ihn trendy oder spießig. Das war auch schon in den 1960er Jahren so, als der Midirock seinen ersten großen Auftritt hatte – und gegen den Mini konkurrieren musste. Bereits damals hatte der Midi den Ruf weg, leicht altbacken zu wirken. Das muss aber nicht sein, wie diese Saison zeigt. Denn: Midi ist auch der Inbegriff der erwachsenen Weiblichkeit und wirkt mit dem richtigen Styling durchaus modern.

Wie auch immer man dem Midi gegenübersteht: In diesem Herbst liegt diese Länge im Trend. Allein das ist schon ein Grund, sich das Ganze einmal genauer anzusehen. „Fest steht, dass die Midilänge, die es jetzt sowohl bei Röcken als auch bei Kleidern gibt, einen hohen Stylefaktor hat“, sagt Stilexperte Andreas Rose aus Frankfurt am Main. Verwunderlich findet er diesen Trend nicht: „Midi ist einfach unglaublich vielseitig. Man kann ihn perfekt fürs Business stylen und mit anderen Accessoires wieder ganz casual.“ So lasse sich der Midirock im Büro zu einer weich fließenden Bluse und Pumps tragen, in der Freizeit kombiniert man ihn mit einer Lederjacke und einem schlichten Shirt. „Darüber hinaus lässt sich ein Midirock mit Accessoires wie Gürteln auch immer wieder anders interpretieren“, ergänzt Rose.

Auf vielen Modenschauen wurden Röcke in dieser Länge zu voluminösen Oberteilen gezeigt. Das allerdings können nur sehr schlanke, große Frauen tragen. Für alle anderen bietet es sich an, auf die bewussten Kontraste der Silhouette zu setzen. Das heißt, man kombiniert einen schmalen Midirock zu einem kastig geschnittenen Oberteil, einen weit schwingenden Midirock dagegen zu einem schmalen Pulli oder Shirt. Darüber hinaus ist es bei der Midi-Länge wichtig, dass man die Taille betont. Das kann man mit Accessoires wie Gürteln tun. Stilberaterin Lydia Maier aus Starnberg hat noch einen Vorschlag: „Gerade bei kleinen Frauen hat es einen tollen Effekt, wenn man zum Midirock eine lockere Seidenbluse kombiniert und diese nur an einer Stelle in den Rockbund steckt.“ Aber man sollte ehrlich zu sich selbst sein und diesen Modetrend nicht mitmachen, wenn er einem nicht steht. So sagt die Modeexpertin Ines Meyrose aus Hamburg: „Für mich ist das ein Trend, den der überwiegende Teil der Frauen nicht mitmachen sollte. Das liegt daran, dass die Midilänge genau am Wadenmuskel endet – und der ist nun mal die dickste Stelle des Beins.“ Liegt der Rocksaum dort, wird die Stelle optisch betont. Meyrose empfiehlt daher, diesen Trend „getrost auszulassen, wenn man kräftige Beine hat“. Wer hingegen sehr schlanke Beine hat, müsse ebenfalls aufpassen, denn darin könnten die Beine staksig wirken. „Das allerdings lässt sich vermeiden, wenn man hohe Stiefel zu dieser Länge trägt“, erklärt Meyrose. Folgt man gerne dem Modediktat der großen Designer und hat bestenfalls eine schlanke Figur mit langen Beinen, kombiniert man den Midi mit Ankle-Boots, die möglichst spitz geschnitten sind. Dieser Look ist tatsächlich nicht altbacken. Andrea Abrell, dpa

Bequem und britisch

Männermode: Die Trends für Herbst und Winter

BILD: Digel/dpa-tmn
BILD: Digel/dpa-tmn
Raue Herbstwinde und kalte Wintertage werden den Männern in der kommenden Saison nichts anhaben können. Denn der neuste Trend stellt das Robuste in den Mittelpunkt. Wer es lieber edel mag, findet aber auch etwas – den klassisch-traditionellen Stil der Briten.

Trend 1: Hauptsache komfortabel und praktisch
„Hosen kommen mit breitem Bein und elastischem Bund“, sagt Petra Schreiber, Präsidentin des Bundesverbands Farbe Stil Image in Schmitten (Hessen). Bewegungsfreiheit steht im Fokus – das macht die Kleidung voluminöser. Trotz Trend zu mehr Volumen spielen Stoffe mit Stretch immer noch eine große Rolle. „Alles soll komfortabel sein, darf aber nicht nach Komfortmode aussehen“, erklärt André Bangert, Ressortleiter Männermode der Zeitschrift „Textilwirtschaft“. Das zeige sich in Anzügen und Jeans mit Stretch-Anteil. Die Outwear-Mode orientiert sich an vergangenen Jahren und macht leichte Daunenjacken zum Muss – auch im Oversized-Look. „Als Detail werden leuchtend kontrastierte Blenden oder Zipper, Bänder und Innenfutter eingesetzt“, ergänzt Gerd Müller-Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts in Köln.

Trend 2: Kontrastreiche Retro-Romantik
Auf mode-mutige Männer wartet in dieser Saison der bunte Mix von Materialien und Mustern. Sie fassen sich gut an, etwa hybride Materialien mit Hightech. Kontraste dürfen und müssen ausdrucksstark sein. Beim Material bleibt Samt gefragt, das Comeback des Jahres feiert jedoch Cord. „Vom feinen Baby- bis Breitencord ist alles dabei“, berichtet Müller-Thomkins. Der typische Rippenlook hat aber nicht mehr seine übliche gebraucht wirkende Optik, sondern das Textil soll laut Bangert hochwertiger wirken und tiefere Längsrillen haben.

Trend 3: Der kleinkarierte Brit-Chic
Schon seit einigen Saisons dominieren sie die Mode: Karos. Klassisch kennt man sie auf Hemden und Mänteln, in dieser Saison finden sich aber auch auf Sakkos und Hosen und dazu in kräftigen Tönen wie Rot, Grün oder Blau, aber auch im auffälligen Kontrast von Schwarz und Weiß. „Pastelle in Hellblau, Flieder und Rosé ergänzen Grau in sämtlichen Schattierungen“, so Müller-Thomkins. Vor allem das eher unaufgeregte Glencheck-Karo und das mehrfarbige Oxfordkaro gelten laut Bangert als Trend. Dazu gesellen sich Tartanstoffe. Jule Zentek, dpa

Auf die Bänke!

HERBSTZEIT IST TRACHTENZEIT: Gefeiert wird am liebsten im Dirndl – da können ein paar gute Ratschläge aus München nicht schaden.

BILD: Halfpoint - adobe.stock.com
BILD: Halfpoint - adobe.stock.com
Sein Dasein als „Arbeitsg’wand“ der Mägde und Bäuerinnen hat das Dirndl endgültig abgestreift. Längst ist das eng anliegende Mieder mit weit schwingendem Rock, Bluse und Schürze Partykleid und Festtagsdress weit über das Alpenvorland hinaus und als solches – bei aller Zeitlosigkeit – Trends unterworfen. Auch im Herbst 2018 erfindet es sich, wie jedes Jahr vor „Wiesn“, „Wasn“ und wo sonst noch die Bier- und Festzelte öffnen, neu. Da kann es nicht schaden, „zuagroasten“ Oktoberfestbesucherinnen praktische Tipps mit auf den Weg zum Dirndl-Kauf zu geben, dachten sich wohl die Betreiber der offiziellen Internetseite oktoberfest.de und haben einige Bedenken gegen allzu viel Sorglosigkeit angemeldet. Nicht, weil sie sich als Hüter von Tracht, Gesetz und Ordnung aufspielen wollen, sondern weil das Oktoberfest im wiesntauglichen Outfit noch mehr Spaß macht.

Ihr Ratschlag Nummer eins im Oktoberfest-Knigge: Ein Dirndl sollte waschmaschinentauglich sein! „Auf dem Oktoberfest geht es zünftig zu“, heißt es dazu im Online-Ratgeber – mit dem Hinweis auf überschwappende Maßkrüge wird zu Leinen oder Baumwolle geraten. Die gute Nachricht: Leinen und Baumwolle sind die wichtigsten Dirndl-Materialien der Saison. Die nicht so Gute: Samt und Seide auch. Und die müssen in die Reinigung. Nichts schiefgehen kann hingegen bei der Wahl der Farbe des Kleides: „Erlaubt ist, was gefällt“, beruhigen die Oktoberfest-Macher – die Farben der Saison beim Münchner Traditionshaus Lodenfrey sind neben Bordeaux, Platin und Marine auch Oliv, Mauve, Salbei, pastelliges Eisblau oder Rosé und intensive Beerentöne. Unifarbene Modelle sind ebenso en vogue wie Jacquard-Stoffe und bunte Blumenmuster. Und wer dann noch drei verschiedene Schürzen – und davon eine in edler Spitze – im Schrank hat, ist für jeden Feiermarathon gerüstet. Ratschlag Nummer zwei betrifft die Länge des Rocks: „Der Saum gehört einen Maßkrug breit über den Boden.“ Auch die Dekolletés sind im Herbst 2018 nicht so ausladend wie gewohnt – aber dabei alles andere als prüde: Hochgeschlossene Mieder mit dezentem V-Ausschnitt und Ärmelchen machen Blusen gänzlich überflüssig, und dem klassischen Balconette-Dirndl steht auch eine bis zum Hals zugeknöpfte Bluse, die wiederum gern aus halbtransparenter Spitze, bestickter Baumwolle oder eng anliegendem Jersey sein darf, der Tradition huldigend aber idealerweise weiß ist. Die stilechte Jacke zum Dirndl ist – wenn ein Schultertuch als Wärmespender nicht mehr ausreicht – aus Strick oder ein bayerischer Trachtenjanker, und bei den Accessoires gilt: nicht mehr als nötig. Das Dirndl ist schließlich Schmuck genug.

Der Frisur darf Frau allerdings schon einige Sorgfalt angedeihen lassen. Klassiker sind alle Arten von Flechtwerk: Gretchenzöpfe, geflochtene Hochsteckfrisuren und Blumenkränze, die ins Haar gewunden werden – bevorzugt mit echten Blüten. Bleibt die Wahl des geeigneten Schuhwerks. Passend ist vieles: Schnür-Stiefeletten ebenso wie elegante Pumps oder High-Heels. Die erfahrenen Oktoberfest-Macher halten auch hier einen weisen Rat bereit: „Nehmen Sie sich ein Ersatzpaar Ballerinas mit, das Sie zücken können, wenn es heißt ‚Hoch auf die Bänke!’“ Ute Maag

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