Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil Herbst & Winter 2018

Kuscheln ohne Reue

Trend: Mögen die Vorbehalte noch so groß sein: Pelz ist in diesem Winter ein großes Thema. Nur dass er immer seltener tierischen Ursprungs ist.

Der Pelz ist vom Aussterben bedroht! Calvin Klein war 1994 das erste große Label, das den Verzicht auf Fell mit einem klaren Statement zum Tierschutz verband. Für die überzeugte Veganerin Stella McCartney wäre die Verwendung von echtem Pelz ohnehin nie in Frage gekommen. Doch nach Hugo Boss, Tommy Hilfiger, Gucci und anderen hat nun auch Donatella Versace – Inbegriff von Luxus und Glamour mit Pelzbesatz – erklärt, in ihren Kollektionen künftig keinen Naturpelz mehr zu verwenden. Der Grund: Bei immer mehr Kunden paart sich Modebewusstsein mit dem Bekenntnis zu Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Ethik. Wer vegetarisch isst, damit kein Tier sterben muss, will sich auch nicht in dessen Fell kuscheln. Daher wollen auch immer weniger Designer über Tierleichen gehen. Zumal es eine täuschend ähnliche Alternative gibt: Fake Fur.

Oder „faux fur“, wie die Briten den kuscheligen Kunststoff nennen, der an sich nichts Neues ist. Schon in den 1920er Jahren gab es eine preiswerte künstliche Alternative zur Luxusware Pelz. Allerdings: Der Unterschied war deutlich sichtbar. Durch neue Produktionsverfahren, bei denen feine Polyacryl-Fasern in ein Baumwoll-Polyester-Gewebe eingewebt, verklebt und aufwendig eingefärbt werden, reichen Optik und Haptik hochwertiger Web- und Kunstpelze nun aber ans tierische Original heran – wer sie heute trägt, ist kein Sparfuchs mehr, sondern tut dies aus Überzeugung. Das Billig-Image hat die Kunstfaser damit abgestreift wie ein Tier sein Winterfell.

Bei vielen Designern hat das gute Gewissen eine große Lust an der Verwendung von Fake Fur geweckt: Ob als täuschend echtes Imitat oder klar als Fälschung erkennbar ist Pelz auch im kommenden Winter ein großes Thema. Hannah Weiland, deren Stern mit dem Londoner Faux-Fur-Label Shrimps 2013 aufging, besetzt ihre farbenfrohen Zotteljacken nun mit romantischen Rosen-, Schleifen- und Herzmotiven. Givenchy zeigt Patchwork-Mäntel mit Naturtönen mit breiten Taillengürteln. Calvin Klein appliziert flauschiges Kunstfell auf Kappen. Und nicht mal Stella McCartney, die Pionierin der tierfreien Mode, schreckt mehr vor der Verwendung von Webpelzen zurück. Ihre plausible Rechtfertigung: Die Kunden wünschten dies.

Natürlich kann man fragen, warum Pelz ein so viel schlechteres Image hat als Leder, das auch nichts anderes ist als gegerbte Tierhaut, aber seinen festen Platz im Materialienschatz der Mode behält. Warum jemand, der kein Tier töten möchte, dennoch die Illusion von Pelz auf seiner Haut spüren möchte. Oder ob es ökologisch sinnvoll ist, nicht nachwachsende Ressourcen für die Herstellung einer Kunstfaser einzusetzen, die Jahrhunderte braucht, bis sie biologisch abgebaut ist und deren Rückstände die Gewässer verschmutzen. Tamsin Blanchard, Modejournalistin und Autorin des Buches „Green is the New Black“, warnt aber davor, Argumente gegeneinander auszuspielen. „Der Einfluss auf die Umwelt ist ein starkes Argument gegen die Herstellung von Fake Fur“, sagte sie der britischen Zeitung „The Telegraph“. Aber die ethischen Aspekte rund um die Herstellung echter Pelze solle man bitte auch nicht vernachlässigen: „Die Pelzindustrie versucht, aus der Tierschutzdebatte eine Umweltschutzdebatte zu machen.“

„Fur-free“ ist dabei längst zu einem Qualitätsmerkmal geworden, das selbst vor Fälschungen nicht sicher ist. So mancher Tierfreund erlebte eine böse Überraschung, als im vergangenen Jahr vermeintlicher Kunstpelz in Form von Bommeln an Taschen, Jacken und Pelzbesätze an Schuhen als waschechtes Kaninchenfell entlarvt wurde. Fake Fake Fur also. Ute Maag

Hauchzartes für den Herbst

Tradition: Federn werden zum Hingucker

BILD: Bijou Brigitte/dpa-tmn
BILD: Bijou Brigitte/dpa-tmn
Federn sind in der kalten Jahreszeit etwas für das Innenleben der Kleidung, einer warmen Daunenjacke beispielsweise. Das ändert sich nun, in dieser Saison sind Federn schmückendes Accessoire – „und zwar auf Röcken, Kleidern, als Besatz bei Jacken oder Blusen und auch in der Abendmode“, sagt Shopping-Beraterin Anette Helbig aus Hannover. Was viele nicht wissen: Federn haben in der Mode bereits eine lange Geschichte. So war es schon vor Jahrhunderten Tradition, dass Männer ihren Hut mit einer Hahnenfeder schmückten. Dahinter steckte die Idee, mit der Feder gleichzeitig den Mut des Hahns zu übernehmen. Denn Federn gelten seit jeher als magisch. Immerhin sagte man Vögeln auch einen direkten Draht zu Göttern nach.

Aber die aktuelle Mode setzt teils auf weit mehr als nur eine Feder am Hut. Hierfür muss man durchaus Stilsicherheit beweisen, wenn man sich – wie in dieser Saison durchaus angesagt – für eine komplett mit Federn besetzte Jacke entscheidet. „Mit Federn ist es wie mit Pailletten: Zu viel wirkt überladen, Akzente damit zu setzen, signalisiert dagegen Stilsicherheit“, findet Modejournalist Stefan Lindemann vom Magazin „Glamour“.

MODISCHES BEIWERK

Eine weitere Alternative: Auch Accessoires und Federn passen sehr gut zusammen. „Darüber hinaus ist ein solches modisches Beiwerk ideal, wenn man den Trend zwar mitmachen möchte, es aber generell eher schlicht mag“, erklärt Stilberaterin Inka Müller-Winkelmann aus Schildow bei Berlin. „Ohrringe mit Federn sind ja mittlerweile fast schon ein Klassiker.“

Bedenken sollte man aber: „Die kommen aber nur richtig zur Geltung, wenn die Haare möglichst glatt sind oder man einen Kurzhaarschnitt trägt. Entscheidet man sich dagegen für eine Federkette, sollte man darauf achten, dass das Oberteil dazu aus einem glatten Stoff ist.“ Andrea Abrell, dpa

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