Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mannheim - Meine Heimat

Kleinkunst in Mannheim, u. a. in Gehrings Kommode im Herzen von Neckarau in der Schulstraße

KLEINKUNST: Mannheim steht für Aufgeschlossenheit und Kreativität – das wissen auch die Künstler, die in der Quadratestadt zahlreiche Bühnen vorfinden und diese auch zu schätzen wissen.

Gehrings Kommode 

Es gibt Leute, die nennen sie „Deutschlands größtes Wohnzimmer“: Gehrings Kommode. Eigentlich war es mal ein Café, im Herzen von Neckarau, in der Schulstraße. Der Sohn der früheren Inhaber, Kurt Gerhing, machte daraus mit viel persönlichem Einsatz und der Hilfe zahlreicher Freunde eine Kleinkunstbühne mit Bewirtung – sehr individuell, sehr originell. Sie ist sein Lebensinhalt geworden. Auch wenn hier alles ein bisschen klein, ja eng ist – die Größen der regionalen, teils auch überregionalen Kleinkunstszene kommen gerne vorbei. Der aus dem Fernsehen bekannte Kabarettist Detlev Schönauer erlebte in der Kommode seine Mannheim-Premiere. Außer Kabarett gibt es Klassik, Jazz, Swing und noch viel mehr, eine eigene Hausband „Fake Five“ und regelmäßige Kunstausstellungen, kuratiert von der Neckarauer Künstlerin Barbara Eckert-Stahl. pwr

Gehrings Kommode, Schulstraße 82
www.gehrings-kommode.de

Zeitraumexit

Dünn gesät sind im deutschsprachigen Raum freie Theater, die mit – oder vielleicht trotz – anspruchsvollem Programm überleben. Das Mannheimer Künstlerhaus Zeitraumexit in der Hafenstraße ist einer dieser raren Orte und darf als Unikat zwischen den Metropolen Zürich und Frankfurt gelten. Hier entstehen genreüberschneidende Kunstprojekte zwischen Tanz, Performance, Installation und Publikumsteilhabe. Leiter Jan-Philipp Possmann bewegt sich sicher auf der Meta-Eben – und hält den Diskurs hoch. Das heißt: Der Jungbusch ist nicht nur der Ort für anregende Kunst, sondern auch Programmplatz zum Nachdenken und Diskutieren über die Kunst der Zukunft, Stadtplanung und Gesellschaft. Populärstes Aushängeschild des europaweit renommierten Hauses ist das Performance-Festival „Wunder der Prärie“. rcl

Zeitraumexit, Hafenstraße 68
www.zeitraumexit.de

theater/haus G7

Als ein „Theater für Unbedachtes, Ungedachtes und Undenkbares“ bezeichnet sich das kleine Hinterhoftheater in der Mannheimer Filsbach. Inka Neubert und Bernd Mand leiten den professionellen Produktions- und Spielort in der westlichen Unterstadt (G7, 4b) gemeinsam. In der theatralischen Hinterhofwerkstatt mit dem Charme einer Eckkneipe sind Eigenproduktionen, Koproduktionen und Gastspiele zu sehen. Das Programm reicht dabei von klassischem Schauspiel über Tanz, Performance bis zu Kinder- und Musiktheater. Auch Konzerte, Lesungen und Diskussionen finden hier statt. Mit zusätzlichen Formaten wie „Hausfreunde Austria“, einer Zusammenarbeit mit freien Theatern aus Österreich, oder dem englischsprachigen Theaterfestival „here an now“ bietet das Haus mit rund 120 Veranstaltungen im Jahr einen kreativen und inhaltlich relevanten Spielplan. rcl

theater/haus G 7, G 7, 4b
www.tig7.de

Eintanzhaus

Es ist die jüngste und derzeit wohl angesagteste Adresse in Mannheims freier Theaterlandschaft. In G 4, 4 haben Daria Holme und der frankokanadische Choreograph Eric Trottier mit seiner Tanzcompagnie La Trottier Dance Collective federführend die Leitung eines kleinen Theaterwunders inne. In der ehemaligen, denkmalgeschützten Trinitatiskirche von Stararchitekt Helmut Striffler entstand ein ungewöhnlicher und beeindruckender Ort für Kunst – und für die Bürger der westlichen Unterstadt. Ein Veranstaltungszentrum, das Tanz, Performance und Gastspiele produziert und zeigt, aber eben auch anderen freien Gruppen sowie Festivals wie Enjoy Jazz oder Wunder der Prärie offensteht. Darüber hinaus wartet dort ein überaus reichhaltiges Kunst- und Kulturangebot für alle: von der Ü50-Party „Greyzies Night“ bis hin zu Tanz-, Yoga- und Gymnastikkursen. rcl

Eintanzhaus, G 4, 4

www.eintanzhaus.de

Freilichtbühne

Sie ist herrlich am Rand vom Käfertaler Wald gelegen, und man kann hier beim Sonnenuntergang oder unter dem Sternenhimmel wunderschöne laue Sommernächte genießen: auf der Freilichtbühne in der Gartenstadt. 1913 von 16 Freunden in einer Gaststätte in der Alten Frankfurter Straße als „Dramatischer Club Waldhof“ gegründet, wollte der Verein „gute dramatische und musikalische Werke der Bevölkerung übermitteln“, wie es damals hieß. Spielte man zunächst im Franziskussaal, wurde 1950 auf einem ehemaligen Schießstand am Waldrand mit Hilfe der US-Armee die Freilichtbühne angelegt. Inzwischen ist es das größte Amateurtheater Baden-Württembergs. Hier gibt es von Juni bis August jeweils abends ein heiteres Stück für Erwachsene und an den Sonntagnachmittagen ein Kinderstück. 1956 kam das Zimmertheater dazu, wo das engagierte Ensemble im Frühjahr, Herbst und Winter Klassiker, Krimis und moderne Stücke auf hohem Niveau bietet. pwr

Freilichtbühne, Kirchwaldstraße 10

flbmannheim.de

Schatzkistl

Es war die Kellerbar des früheren Steigenberger-Hotels „Mannheimer Hof“, wo der legendäre Barkeeper „Charly“ mixte und die dann lange leer stand. 1998 wurde daraus eine kleine, feine Spielstätte für Perlen der Kleinkunst – ein „Schatzkistl“ eben mit angenehmer, intim-gemütlicher Atmosphäre. Das anfänglich einmal pro Woche bespielte Theater ist längst ein begehrtes Schmuckstück, wo an jedem Wochenende und oft auch unter der Woche etwas geboten ist und das meist über 180 Veranstaltungen pro Spielzeit bietet. Aber nicht nur Kabarett und Musik gibt es hier: Kinder haben ihren Spaß, der Magische Zirkel fasziniert mit seinen Tricks und aufwändige wie originelle Eigenproduktionen, zum Beispiel die Revue „Alla gut! Verliebt ins Quadrat“, „Nierentisch & Caprifischer – Mannem in de 50er“, „Dinner for one... wie alles begann, machen nicht allein Lokalpatrioten und Freunden der Stadtgeschichte Spaß. pwr

Schatzkistl, Augustaanlage 4-8
www.schatzkistl.de

Capitol

Im Jahr 1927 ließ die Kino-Dynastie Müller von Architekt Paul Darius in der Waldhofstraße im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ einen Filmpalast mit eiförmiger Kuppel bauen – das Capitol. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Haus wie durch ein Wunder unbeschadet. In den 1970ern änderte der neue Eigentümer Dieter Spickert das Konzept: Musik gehörte fortan dazu. In den 90er Jahren geriet das Capitol als Kino ins Abseits, auch die Konzertveranstalter verloren das Interesse. Dann stand es leer. 1998 wurde es unter neuer Leitung als Konzerthaus, offiziell „Live- und Eventhaus“, wiedergeboren. Längst ist es eine unverzichtbare Bühne geworden. Stars wie Xavier Naidoo oder Chako Habekost haben hier ihre Wurzeln, das denkmalgeschützte Haus wird für Partys und Firmenveranstaltungen sowie Gastspiele genutzt. Besonders wichtig sind aber die Theater- und Musical-Eigenproduktionen sowie das im Winterhalbjahr regelmäßige Kindertheater. pwr

Capitol,Waldhofstraße 2
www.capitol-mannheim.de

Klapsmühl’ am Rathaus

Die Mannheimer Kleinkunstbühne kann auf eine große Geschichte zurückblicken. 1982 wurde das Theater von Mitgliedern des Kabaretts Dusche gegründet. An 240 Tagen im Jahr wird hier gespielt. Die Liste der Berühmtheiten, die in D 6, 3 ihre Pointen präsentierten, ist imposant. Kabarett-Legenden wie Dieter Hildebrandt, Werner Schneyder, Georg Kreisler oder Robert Kreis standen hier im Rampenlicht. Aber die Klapsmühl’ war auch ein Domizil für Talente, die später zu Stars wurden: Harald Schmidt, Dieter Nuhr, Mathias Richling, Bülent Ceylan Christian Habekost und Gerd Dudenhöfer waren in der intimen Atmosphäre des rustikalen Theaters zu erleben. Bis zum Juni 2018 war in der Klapsmühl’ auch der Jazz zu Hause: Die IG Jazz engagierte Weltstars wie Mark Turner, Brian Blade oder Avishai Cohen. Ein Hauch von New York – mitten in Mannheim. gespi

Klapsmühl’ am Rathaus, D 6, 3

www.klapsmuehl.eu

Oststadttheater

Das Oststadttheater ist 1990 als „Mannheims heitere Bühne“ für Komödien, Krimis, Kinderstücke und Mundart gegründet worden. Es ist Mannheims zweitgrößtes Theater – inzwischen mit dem Untertitel „Das Lächeln in N 1“ – und steht für fröhlich-locker-leichte Unterhaltung ohne Zeigefinger, wonach das Publikum lechzt und wofür sich manche großen Theater zu schade sind. Seit der Gründung bespielte es den Kahnweilersaal im Untergeschoss der Kunsthalle, 2014 zog es in den dafür eigens umgebauten Bürgersaal im Stadthaus N 1 um. Bekannt ist es für eine herzlich-persönliche Atmosphäre in schönem Ambiente und dass man hier bei kurpfälzer Mundartstücken, spannend inszenierten Krimis und erfrischend witzigen, teils auch einfach urkomischen Schenkelklopfer-Boulevardkomödien herrlich lachen kann. pwr

Oststadttheater, N 1 1

www.oststadt-theater.de

Theater Oliv

Klein, aber fein“, könnte das Motto dieser Mannheimer Bühne sein. Im Nebenraum einer Pizzeria auf dem Lindenhof fing 2001 alles an. Doch längst haben die Theatermacher Boris Ben Siegel und Coralie Wolff einen passenderen Ort für ihre Schauspielkunst gefunden: „Am Meßplatz 7“ lautet die Adresse ihres originellen und gemütlichen Kellertheaters in der Neckarstadt. Was ihren Spielplan auszeichnet, ist die Ungewöhnlichkeit der Themen und Stoffe – und vor allem die rege Beteiligung lokaler und regionaler Autoren. In großer Publikumsnähe entstehen Produktionen, die nah an den Menschen sind. Über Wettbewerbe können sich auch Zuschauer an der Entstehung der Stücke beteiligen. Wem das zu aufwendig ist, wird sich und seine Stadt dennoch im Theater Oliv wiederfinden. Lokalhistorisches wird hier mit Musik, Schauspiel und interaktiven Parcours mit Herz und Verstand aufgearbeitet. rcl

Theater Oliv, Am Meßplatz 7
www.theateroliv.de

Theater Felina-Areal

Im Hinterhof der traditionsreichen Mannheimer Miederwarenfarbrik Felina, hat Theatermacher Sascha Koal an der Langen Rötterstraße mit viel Engagement eine ehemalige Werkstatt zu neuem Leben erweckt. Das Foyer seines Theaters Felina-Areal teilt er sich mit der ebenfalls dort ansässigen privaten Schauspielschule „Theaterakademie Mannheim“. Seinen künstlerischen Schwerpunkt setzt der Regisseur, Kurator und Schauspieler Koal in der Neckarstadt-Ost auf zeitgenössische Sprechtheaterproduktionen und modernen Tanz. Hier richtet er das Festival „Freier Tanz im Delta“ aus, zeigt Schauspielaufführungen mit dem Neuen Ensemble und anderen Akteuren der Region, lädt zu Diskussionen und Lesungen. Längst Kultcharakter hat auch die hier monatlich stattfindende Reihe „Abgang“, in der sich die prominenten Toten des Monats – nachdenklich wie heiter – aus Schauspielermündern zu Wort melden. rcl

Theater Felina-Areal, Holzbauerstraße 6-8
www.theater-felina.de
Datenschutz