Sonderveröffentlichung
Themenspecial 50 Plus

Zwischen Valentinian und Monroe

MUSEUM: Dr. Alexander Schubert, Leitender Direktor und Geschäftsführer des Historischen Museums der Pfalz in Speyer, blickt im Interview auf kommende Ausstellungen und erklärt die Besonderheiten des Museums.


Von Ludwig Ricke    

Herr Doktor Schubert, am 16. September startet die Ausstellung „Valentinian I. und die Pfalz in der Spätantike“. Was erwartet die Besucher?

Dr. Alexander Schubert: Mit Kaiser Valentinian zeigen wir eine faszinierende historische Persönlichkeit, die bisher nur wenigen bekannt ist. Dabei hielt sich kein Imperator des Römischen Reichs häufiger in der Pfalz auf als er. Die Archäologen haben hier fantastische Arbeit geleistet und viele Rätsel zur Situation der Pfalz in der Spätantike gelöst. Denn gemeinhin verbindet man diese Zeit mit der Vorstellung von Rückschritt und Niedergang. Tatsächlich aber sorgte Valentinian für eine kulturelle Blütezeit in unserer Region.

Was fasziniert Sie persönlich an der Spätantike, die nicht unbedingt den besten Ruf hat?

Schubert: Meine persönliche Faszination ist gewachsen durch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern, dem Heidelberg Center for Cultural Heritage und der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz mit ihrer Außenstelle Speyer. Wenn die Kollegen von ihren Forschungsergebnissen zu Valentinian und der Pfalz in der Spätantike berichten, so ist das höchst spannend. Schnell reifte bei mir der Entschluss, dazu eine Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz auszurichten.

Marilyn Monroe auf einem Gemälde von Alexander Timofeev BILD: TED STAMPFER
Marilyn Monroe auf einem Gemälde von Alexander Timofeev 
BILD: TED STAMPFER
Welche Spuren der Spätantike sind heute noch in der Region zu finden?

Schubert: Valentinian unternahm ab dem Jahr 368 regelmäßige Reisen von Trier aus in das heutige Gebiet von Pfalz und Kurpfalz. Sein Ziel war es, die Grenzverteidigung neu zu organisieren, indem er Festungen in Flussnähe anlegen ließ. Als Truppenstandorte wurden Siedlungen wie Altrip, Worms, Speyer, Germersheim und Rheinzabern gestärkt, befestigt und ausgebaut. Für Archäologen ist bis heute sichtbar, dass Valentinian I. für einen enormen Aufschwung in unserer Region gesorgt hat. Das bezeugen zum Beispiel reiche Grabfunde aus Villen und städtischen Gräberfeldern.

Welche Rolle nimmt dabei Valentinian I. ein?

Schubert: Valentinian wurde 364 nach dem Tode des Kaisers Jovian in Nikaia zum Kaiser ausgerufen. Während er seinem Bruder Valens als Mitkaiser das eigentlich attraktivere oströmische Reich übertrug, entschied sich Valentinian I. bei der Aufteilung für das Weströmische Reich – ein folgenschwerer Entschluss, dessen Auswirkungen wir bis heute nachvollziehen können. Valentinian kam an den Rhein, um hier wahrhaft Geschichte zu schreiben.

Das Historische Museum der Pfalz BILD: HISTORISCHES MUSEUM DER PFALZ/CAROLIN BRECKLE
Das Historische Museum der Pfalz 
BILD: HISTORISCHES MUSEUM DER PFALZ/CAROLIN BRECKLE
Mitte Dezember öffnet dann die Sonderausstellung „Marilyn Monroe“. Was macht diese Ausstellung aus?

Schubert: Marilyn Monroe gilt als Ikone der Filmgeschichte. Oft glaubt man, schon alles über die Schauspielerin zu wissen, die zu den meistfotografierten Persönlichkeiten aller Zeiten zählt. Doch das betrifft nur die „öffentliche“ Seite. Wir wollen mit der Ausstellung die weniger bekannten Facetten vorstellen, deshalb trägt die Schau den Untertitel „Die Unbekannte“. Gemeinsam mit dem Sammler Ted Stampfer haben wir viel überraschendes, sensationelles und beeindruckendes Material zusammengetragen. Wer die Ausstellung sieht, wird ganz neue Eindrücke von Marilyn Monroe mitnehmen.

Gibt es ein besonderes Highlight?

Schubert: Die Ausstellung zeigt sehr viele persönliche Besitzgegenstände von Marilyn Monroe, Utensilien der Schönheitspflege ebenso wie Schriftstücke oder originale Bekleidung. Eine besondere Rolle werden auch die Umstände des tragischen Todes spielen. Der Kurpfälzer Sammler Ted Stampfer hat mit Sammelleidenschaft, Akribie und Kenntnisreichtum unglaubliche Stücke vereint.

2010 wurde in Speyer bei Grabungen am Diakonissenkrankenhaus die Bestattung eines spätrömischen Offiziers freigelegt. BILD: GDKE
2010 wurde in Speyer bei Grabungen am Diakonissenkrankenhaus die Bestattung eines spätrömischen Offiziers freigelegt. BILD: GDKE
Sie selbst sind seit 2014 Direktor des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Wie haben Sie die Zeit bislang erlebt?

Schubert: Es gibt wahrscheinlich kaum einen vielseitigeren Beruf als den des Museumsdirektors. Unser Ausstellungsprogramm ermöglicht mir, immer wieder in neue Themenwelten einzutauchen. Deutlich wird das, wenn ich einige Ausstellungen nenne, die wir in den letzten vier Jahren organisiert haben: „Titanic“, „Detektive, Agenten und Spione“, „Maya“, „Weltbühne Speyer. Die Ära der großen Staatsbesuche“, „Richard Löwenherz“, „Robin Hood“, „Das Sams und die Helden der Kinderbücher“… und in Kürze „Valentinian“ und „Marilyn Monroe“. Jede Ausstellung ist mit dem Aufbau eines neuen Netzwerks verbunden. Es entstehen spannende, oft auch nachhaltige Kontakte zu Wissenschaftlern, Sammlern, internationalen Museen, Fachjournalisten, Politikern usw. Das Museum ist in der Großregion gut vernetzt, etabliert und anerkannt. Kurz gesagt: Es macht großen Spaß!

Können Sie bereits verraten, welche Projekte mittel- und langfristig realisiert werden sollen?

Schubert: Wir haben viele große Pläne. Nächstes Jahr wollen wir eine Ausstellung zur Medizingeschichte mit einem völlig neuen Konzept zeigen. Wir nehmen den berühmten Medicus-Roman von Noah Gordon, den Weltbestseller, als Grundlage, um die spannenden Erkenntniswege der Medizin vom Mittelalter in die frühe Neuzeit vorzustellen. Und 2020 wollen wir in die unendlichen Weiten des Weltalls aufbrechen, um die Faszination außerirdischen Lebens zu ergründen.
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