Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mein Hund

Ein Welpe zieht ein – und mit ihm viel Verantwortung

RATGEBER: Für einen Welpen im Haus braucht der Besitzer nicht nur Geld und genug Platz, sondern auch Geduld, Zeit und wichtige Verhaltensregeln.

Süß, klein und flauschig – so sind sie, die Hundewelpen, wenn sie das erste Mal durch die Haustür spazieren und es sich auf dem Sofa und in unseren Herzen gemütlich machen. Der beste Freund des Menschen und ein wunderbarer Begleiter für heranwachsende Kinder, so denken es sich die meisten, wenn sie sich für den Kauf eines Welpen entscheiden. Doch diese Entscheidung ist wesentlich größer, als oftmals gedacht und bringt eine Menge Verantwortung mit sich. Daher sollte man sich gut überlegen, ob man bereit ist, diesen Schritt zu gehen, denn es handelt sich um eine langfristige Verpflichtung. Auf die Frage, welcher Hund wohl am besten zu mir passt, sollte man also die Gegenfrage stellen: Zu welchem Hund passe ich eigentlich?

„Ein Hund sollte weder als Statussymbol, noch als reines Kuscheltier oder Spielpartner für Kinder gesehen werden. Hunde sind Individuen, deren Bedürfnisse beachtet und befriedigt werden müssen.“, warnt Hundetrainerin Nadine Bihn. Daher sollte man sich Gedanken machen, um welche Hunderasse man sich am besten kümmern kann und nicht etwa nach Niedlichkeit entscheiden. Auch ein Husky ist ein putziger Welpe, aber später braucht er sehr viel Auslauf und wenn man diesem Bedürfnis nicht nachkommen kann, sollte man sich einen kleineren Hund oder eine andere Rasse zulegen.

Wer einen Hund möchte, muss sich vorher intensiv mit dem Thema beschäftigen, viel über die unterschiedlichen Hunderassen lesen und sich Gedanken über seinen Tagesablauf und mögliche Störfaktoren machen. Bihn weiß: „Fakt ist: Den „einfachen“ Hund gibt es nicht. Jeder Hund bringt individuelle Eigenschaften mit, auf die man eingehen muss. Man sollte sich bewusst sein, dass ein Hund auch Arbeit mitbringt und beschäftigt werden möchte, egal ob groß oder klein.“

Daher sollte man bereit sein, in allen Lebenslagen Verantwortung zu übernehmen.„Ich sollte mir keinen Hund anschaffen, wenn ich keine Zeit habe, 15 Jahre regelmäßig mit dem Hund bei Wind und Wetter rauszugehen. Hunde können krank werden und dadurch sehr hohe Kosten beim Tierarzt verursachen, und auch in eine Hundeschule muss ich investieren. Ich muss diese Kosten tragen können“, erklärt Hundeexpertin Manuela Habermann, „Mittlerweile bieten viele Hundeschule kostenlose Beratungen vor dem Hundekauf an, die bei der Entscheidung helfen können, den passenden Hund für sich zu finden. Leider wird dieser Service nur selten genutzt.“ Und oftmals sind es diese Hunde, die letzten Endes zurück ins Tierheim gebracht oder sogar einfach ausgesetzt werden. Im Tierheim oder beim Hundezüchter sollte dann auch der neue Vierbeiner erstanden werden. Niemals darf man einen Hund aus einem Kofferraum oder gar per Internetbestellung kaufen, denn Tiere von diesen illegalen sogenannten „Vermehrern“ leiden unter gesundheitlichen und sozialen Defiziten und das darf nicht unterstützt werden, egal, ob einem die Tiere leidtun. „Ein Hund beim guten Züchter kostet vielleicht etwas mehr Geld, was viele nicht bezahlen möchten, doch die folgenden Tierarztkosten bei einem unseriösen Verkäufer sind nicht zu unterschätzen und übersteigen die Anschaffungskosten bei weitem“, stellt Habermann klar.
Auch wenn der Welpe so ausschaut: Ein Hund ist kein reines Kuscheltier, auch kein Statussymbol oder ein Spielpartner für Kinder. Wer sich für einen „vierpfotigen Partner“ entscheidet, muss dauerhaft Verantwortung übernehmen. BILDER: nuzza11 - stock.adobe.com, Alexandra Dusin
Auch wenn der Welpe so ausschaut: Ein Hund ist kein reines Kuscheltier, auch kein Statussymbol oder ein Spielpartner für Kinder. Wer sich für einen „vierpfotigen Partner“ entscheidet, muss dauerhaft Verantwortung übernehmen. BILDER: nuzza11 - stock.adobe.com, Alexandra Dusin
Vorkehrungen treffen

Damit der Welpe sich auch wohl in seinem neuem Zuhause fühlt, muss sein Mensch einige Vorkehrungen treffen. Das Wichtigste – sich Zeit nehmen. Am besten nimmt man sich die ersten Wochen Urlaub, damit der kleine Vierbeiner sein neues Herrchen und die Umgebung richtig kennen lernen und sich einleben kann. Ein weiterer wichtiger Punkt, besonders, wenn man Familie hat, ist, zu testen, ob jemand allergisch reagiert, dann das ist ein Ausschlusskriterium.

Zudem ist es angebracht, Verhaltensregeln festzulegen. „Man sollte mit allen Familienmitgliedern besprechen, was darf der Hund und was nicht, und diese Regeln einhalten.“, rät Habermann. Außerdem braucht der Welpe, ganz ähnlich wie beim Menschen, sein eigenes Reich. „Gerade wenn Kinder im Haus leben, ist es wichtig vorher abzusprechen, wo der Hund seine Ruhezone bekommt“, sagt Bihn. Aus diesem Grund sollte man dauerhaft jemanden haben, der auf den Neuankömmling aufpasst, wenn man mal ohne Hund in den Urlaub fährt. „Wichtig ist auch, dass die Welpen zu Beginn bei uns schlafen können und nicht separiert werden, denn sie brauchen uns gerade am Anfang und viele Welpen bekommen richtig Panik wenn sie in diesem Alter irgendwo alleine sind.“, ergänzt Habermann.

Worauf auch unbedingt geachtet werden sollte – diesmal eher zum Wohle des Menschen – ist, das Haus welpensicher zu machen. „Ein Welpe auf Erkundungstour zernagt gerne mal etwas, also räumt man am Anfang Schuhe weg oder solange der Hund noch nicht stubenrein ist, rollt man Teppiche zusammen.“, empfiehlt Bihn. Habermann fügt hinzu: „Was mir wichtig und teuer ist, sollte ich vorübergehend wegräumen. Auch Kabel werden durchaus mal gerne durchgenagt.“ Demnach hilft es auch hier, dem Hund nett und konsequent die Regeln seines neuen Heims beizubringen, damit der Umgang von Anfang an entspannt und liebevoll ist.

Fehlervermeidung vom ersten Tag an

Wie bereits erwähnt, braucht der Neuankömmling eine Ruhezone, damit er sich auch mal zurückziehen kann. Hier gilt: „Hunde werden in unser Leben geholt und haben erstmal gar keine Ahnung, was sie tun sollen und was nicht. Sie kommen vielleicht aus dem Tierschutz, haben bisher auf der Straße gelebt und sind es gar nicht gewohnt, dass sie nun vier Wände begrenzen. Daher ist es enorm wichtig, dem Hund fair und nett das Leben bei uns beizubringen“, sagt Bihn. Dazu gehört, ihn erstmal in Ruhe ankommen zu lassen, nicht zuviel zu erwarten und unseren neuen besten Freund nicht gleich zu überfordern – Eins nach dem Anderen.

Hundetrainerin Bihn empfiehlt: „Man macht einen Mix aus Management und Training. Das heißt, man legt den Fokus auf das gute und erwünschte Verhalten und belohnt dies, dann lernt der Hund schnell, was wir gut finden und wird das erwünschte Verhalten immer öfter zeigen. So weiß er, was er tun soll, der Mensch fokussiert sich auf die Erfolge und der Weg zu einer guten Beziehung wird geebnet.“

Dass man das alles auch anwenden muss und kann, wenn nicht ein kleiner, frischer Welpe, sondern ein älterer Hund unser Zuhause und unser Leben bereichern, ist gar nicht so selbstverständlich. Denn ein älterer Hund hat bereits eine Vorgeschichte. Ob diese positiv oder negativ zu seiner Entwicklung beigetragen hat, beeinflusst dann natürlich sein Verhalten. „Die Herkunft eines älteren Hundes ist sehr wichtig, denn es macht einen großen Unterschied, ob der Hund gut behütet aus einer anderen Familie umzieht oder aus dem Tierschutz kommt, womöglich bisher kein schönes Leben hatte und daher gewisse Defizite mitbringt. Das ist also sehr individuell. Wichtig ist, dass es nicht den neuen Weg behindert. Neue Familie, neues Leben“, merkt Bihn an. Zudem hat ein älterer Hund laut Habermann Vorteile: „Sie sind meist stubenrein, man weiß schon, ob er Jagdtrieb hat, wie sein Charakter ist, was er mag und was nicht.“

Die Experten empfehlen, den Hund vorher ein paar Mal zu besuchen und mit ihm Gassi zu gehen, um sich gegenseitig zu beschnuppern. Denn trotz fortgeschrittenen Alters, kann ein Hund noch viel lernen. „Hunde lernen immer und das bis zum Lebensende. Ein junger, unbedarfter Hund ist neugierig und lernt etwas schneller, aber auch ältere Hunde lernen immer Neues dazu.“, weiß Bihn und Habermann stimmt zu: „Auch ältere Hunde haben noch richtig Spaß am Lernen.“ Nach diesen Tipps kann dem gemeinsamen Lernen ja nichts mehr im Wege stehen und führt ganz sicher zu einer entspannten und liebevollen Beziehung zwischen den fröhlichen Vierbeinern und ihren verantwortungsbewussten Herrchen.

TEXT: Mira Ziegler

Martha & Lotte Feinstes für Hunde