Sonderveröffentlichung
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Diakoniewerkstätten Rhein-Neckar der Gemeindediakonie Mannheim bieten Menschen mit Behinderung zu einer sinnstiftenden Arbeit

INKLUSION: Die Diakoniewerkstätten Rhein-Neckar der Gemeindediakonie Mannheim bieten Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, durch eine sinnstiftende Arbeit sowie individuelle Förderung und Betreuung am Leben in der Gesellschaft teilzuhaben.


Von Mira Ziegler  

Gemeinsam wohnen, gemeinsam arbeiten, gemeinsam Raum schaffen. Wofür? Ganz einfach – für ein gemeinsames Leben. In der heutigen Gesellschaft muss niemand mehr ausgegrenzt werden, mit Aufgeklärtheit und Toleranz ist ein gemeinsames Leben für alle möglich, egal welche scheinbar unüberbrückbaren Differenzen uns trennen. Das dem wirklich so ist, zeigt schon seit 1948 die Gemeindediakonie Mannheim. Heute arbeiten in den Diakoniewerkstätten Rhein-Neckar fast 1000 Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, um sie möglichst umfänglich am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu lassen. Dazu gehören auch Berufliche Bildung und ein Förder- und Betreuungsbereich.

Menschen mit Behinderung sind, nach Qualifikation, Einweisung und mit Anleitung, durchaus in der Lage, Arbeitsprozesse eigenständig auszuführen. Wie bei Menschen ohne Behinderung gibt es eine Bandbreite von einfachen bis zu sehr komplexen Aufgaben. „Es ist wichtig, im Vorfeld die Fähigkeiten und Interessen des einzelnen Menschen zu erkennen und somit den richtigen Arbeitsplatz zu finden. Unsere Beschäftigen werden kontinuierlich pädagogisch betreut, sodass wir Probleme oder Nöte im Arbeitsablauf schnell erkennen können“, erklärt Vorstand Gernot Scholl. „Der Arbeitsalltag in unseren Diakoniewerkstätten orientiert sich am allgemeinen Arbeitsleben und den spezifischen Rahmenbedingungen in der Werkstatt oder im Industriebetrieb. Ein Unterschied ist lediglich, dass die Pausenzeiten etwas länger sind.“

Die Gemeindediakonie legt besonders viel Wert darauf, den behinderten Menschen einen sinnvollen Alltag zu ermöglichen. Erfüllt wird diese Anforderung durch das produktive Mitarbeiten in einem Prozess oder Betrieb und auch das dabei entstehende Teamgefühl. „Die persönliche Arbeitszufriedenheit kann sich in der Umsetzung einfachster Prozessschritte bis hin zu komplexen Arbeitsabläufen ausdrücken, wie die Bedienung eines Flurförderfahrzeugs für den Warentransport“, so Scholl. Die Identifizierung mit dem Produkt und dem Arbeitgeber seien enorm wichtig für die Beschäftigten und stellten einen wichtigen Beitrag zur Inklusion dar.

Obwohl man meinen könnte, dass die Arbeit „langweilig“ sei, ist die Zufriedenheit der Beschäftigten in den Werkstätten überdurchschnittlich hoch. „Besucher stellen schnell fest, welch gute Stimmung in den Arbeitsräumen vorherrscht. Hin und wieder gibt es – wie in jedem Betrieb – auch eintönige Arbeiten, aber durch das gute Miteinander unter den Beschäftigten und mit den Vorgesetzten werden auch diese Arbeiten sorgfältig und gut umgesetzt“, beschreibt Scholl die Arbeit in den Werkstätten.

Dass Menschen mit Behinderung vom Förderbereich zur normalen Arbeit übergehen, ist jedoch die Ausnahme. „Wir machen regelmäßig Angebote zur Teilhabe an Arbeit in den Fördergruppen. Der Assistenzbedarf in den Gruppen ist jedoch sehr hoch und liegt nicht selten bei einer 1:1-Betreuung. Daher ist die Arbeit in den Werkstätten nur für wenige tatsächlich umsetzbar“, erklärt Scholl. Der Weg sei sogar oft umgekehrt: Menschen wechseln aus den Arbeitsgruppen in die Fördergruppe, weil sie den Anforderungen nicht mehr gewachsen sind. Das Ziel ist es eben, sinnstiftende Tätigkeiten für jeden Einzelnen zu finden, sei es in der Werkstatt oder im eher geschützten Raum einer Förder- und Betreuungsgruppe. Daher haben auch Eltern, Angehörige und gesetzliche Betreuer eine wichtige Funktion in der Beratung und in der Begleitung bei den Antragsverfahren, die erforderlich sind, um die Leistungen zu erschließen. Die Werkstätten arbeiten eng mit ihnen zusammen, insbesondere auch über die den Werkstätten angegliederten Angehörigenbeiräte.


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Doch gibt es auch Menschen, die nicht teilhaben wollen? Inklusion ist ein Begriff, hinter dem sich eine große Vielfalt von Teilhabemöglichkeiten verbirgt: Teilhabe an Arbeit, am Leben in der Gesellschaft, barrierefreie Zugänge zu Angeboten des öffentlichen Lebens – um nur einige zu nennen. „Dagegen versperrt sich niemand, im Gegenteil!“, ist sich Scholl sicher. „Es sind leider eher die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Ressentiments von Einzelnen, die den Zugang zu Teilhabemöglichkeiten erschweren oder sogar verwehren. Daher ist Information und Aufklärung auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.“

Auch die Zusammenarbeit mit der „Außenwelt“ ist ein Beweis, dass Inklusion funktioniert. Die Menschen mit Behinderung werden systematisch auf die Übernahme von erweiterten Aufgaben vorbereitet, etwa durch Praktika innerhalb und außerhalb der Werkstätten. Es ergeben sich vielfach Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Menschen ohne Behinderung. „Das funktioniert in der Regel recht gut, manchmal muss man unterstützen oder um Verständnis werben. Letztlich lässt sich aber immer feststellen, dass sich Barrieren im direkten persönlichen Kontakt schnell abbauen lassen und sich meist ein sehr gutes Arbeitsverhältnis entwickelt. Die Rückmeldungen unserer Beschäftigten und unserer Industriekunden sind durchgehend positiv“, freut sich Scholl. Diese positive Zusammenarbeit mit industriellen Kunden mündet oft in eine langjährige Partnerschaft. Doch gelegentlich erhält die Gemeindediakonie auch Anfragen von Kunden, die die Werkstätten als Billiganbieter sehen und das allgemeine Lohnniveau unterlaufen wollen: „Das ist dann das negative Feedback und auszuhalten“, sagt Scholl.

Tatsächlich können die Menschen mit Behinderung sich für eine Arbeitsrichtung entscheiden. Im Berufsbildungsbereich der Werkstätten werden in einer frühen Phase Neigungen und Fähigkeiten festgestellt und auf dieser Grundlage der einzelne Mensch weiterqualifiziert. In einem maximal zwei Jahre langen Arbeitstraining werden Grundkenntnisse im Umgang mit verschiedenen Materialien und Werkzeugen vermittelt und auf diesem Weg versucht, den persönlichen Belangen und Wünschen Rechnung zu tragen. So können die behinderten Menschen sinnstiftend in den gesellschaftlichen Alltag inkludiert werden – und haben auch Freude daran.

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