Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil - Frühjahr 2018

Den Blick aufs Detail

NEUER FOKUS: Vertikale Smartphone-Displays verändern die Sehgewohnheiten, sagt Trendforscherin Lidewij Edelkoort. Das hat Folgen – auch fürs Styling.

BILD: Drobot Dean/stock.adobe.com  
BILD: Drobot Dean/stock.adobe.com  
Ein Gesicht in Großaufnahme – das Make-up ist perfekt, die Haare fallen ganz natürlich. Die Frau trägt ein Shirt, am Hals schimmert eine schmale Kette. Ein klassisches Selfie – eins von der Sorte, die man gerne anschaut. Wo es aufgenommen ist? Das sieht man nicht. Das vertikale Smartphone-Display, auf dem wir es betrachten, lässt keinen weiteren Blick zu. Man kennt solche Porträts aus der Kunstgeschichte. Die klassische Malerei zeigt den Menschen im Hochformat, die Umgebung bildet den Hintergrund, oft sehr zurückgenommen und reduziert.

Für Lidewij Edelkoort, Trendforscherin aus den Niederlanden, ist dieser verengte Fokus einer der Trends dieses Jahres. Voraussagen darüber, was wir anziehen, wie wir arbeiten, einkaufen und kommunizieren, sind ihr Job seit fast 40 Jahren und ihre Thesen treffen fast immer ins Schwarze. Für das Jahr 2018 prophezeit sie, dass Kopf-, Hals- und Schulterpartie zentrale Bedeutung beim Styling einnehmen. Das heißt: Haare und Make-up sind die großen Themen, aber auch Krägen mit Rüschen und anderen Applikationen, Halsbänder, Schleifen und Schmuck. Und Kopfbedeckungen wie Mützen, Tücher oder Hüte. Kurz: Der Blick richtet sich aufs Detail.

Es wird Prüde

Bei der Zierde an Hals und Schulter nehmen viele Designer Rückgriffe auf die Opulenz früherer Zeiten. „Historische Gewänder werden als Vorbild für die Mode der Zukunft dienen“, prophezeit die Trendforscherin. Durchaus auch mit Pelzbesatz, der jedoch im Labor entsteht. Die Entwicklung neuer Materialien wird nach Meinung Edelkoorts fortschreiten, jedoch Hand in Hand mit guter alter Handwerkskunst zu deren Verarbeitung und dem sich fortsetzenden Trend zu Naturmaterialien und einer neuen Lieblingsfarbe: „Braun ist das neue Schwarz.“ Zu viel Haut sei dagegen out: „Wir haben genug nackte Schultern gesehen“, erklärt die Niederländerin die neue Prüderie, die sich in hochgeschlossenen Kleidern zeigt.

Wie Lidewij Edelkoort zu ihren Thesen kommt, sagt sie offen: durch Beobachtungen auf der Straße, bei Laufstegshows und durch Gespräche und Analysen. Aber interessanterweise nicht durch die Beobachtung von Sozialen Medien wie Instagram. „Die Influencer auf Instagram sind nicht so wichtig für die Trendentstehung, wie alle annehmen“, sagte sie bei einem Trendseminar in Berlin. „Wir alle dachten am Anfang, Social Media bringt mehr Vielfalt, aber im Grunde bringt es eher Gleichförmigkeit.“ Das Internet bildet Trends also nur ab. Gesetzt werden sie woanders.

Text: Ute Maag

Expertenmeinung

80er, 90er und futuristische Looks

„Mit der neuen Kollektion wurde ein breites Spektrum von Frisurenformen und Styles für alle Haarlängen kreiert. In von Individualismus geprägten Zeiten sollen diese Vorschläge bei der Findung eines ganz individuellen Looks als Hilfestellung dienen“, erklärt Constanze Weller von der Friseurinnung Mannheim. „Man findet Einflüsse von Looks der 80er, 90er und futuristische Elemente. Bei den Damen ist im Kurzhaarbereich der Pixie-Cut als edler Verwandler nicht wegzudenken. Die mittlere Haarlänge wird von dem „Young Bob“ angeführt, der mit längerer Vorderpartie auch toll als soft gewellte Variante das Gesicht umspielen kann. Ab Schulterlänge kehren die Stufen auf die Köpfe zurück, die für aufregende Stylings sorgen – angelehnt an die 80er Jahre. Bei den Herren geht auch hier die Reise von den „Barber-Styles“ nach traditioneller Handwerkskunst über sehr coole, cleane Looks zu aufregenden Varianten die schon fast künstlerisch anmuten.“

Alles glänzt so schön neu  

ACCESSOIRES: Schmuck-, Taschen- und Koffertrends erleben Comebacks

Ob Schmuck, Tasche oder Koffer – das richtige Accessoire muss zu seinem Besitzer passen und seine Persönlichkeit widerspiegeln. Aber vor allem muss es trendig sein. Wie die Trends für Accessoires in diesem Jahr aussehen, erfahren Mode-Interessierte hier. Das Lieblingsstück einer Frau ist, na klar, ihre Handtasche. Da muss nicht nur Platz für das Wichtigste wie Handy, Portemonnaie und Make-up vorhanden sein – sie muss auch zum Outfit passen und modisch der letzte Schrei sein. Eine gute Nachricht für jede Frau, denn das heißt, dass mal wieder shoppen gehen angesagt ist.

Ganz dem Hipster-Trend folgend, sind laut Zalando besonders Taschen, die man nicht nur über die Schulter hängen, sondern auch als Rucksack tragen kann, modern. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, es darf auch gerne leger sein. Einen weiteren Tipp gibt den Taschen-Liebhaberinnen das Magazin Instyle, und auch hier kommt ein alter Trend, wenn man ihn denn als solchen bezeichnen kann, wieder aus der Versenkung: Die Bauchtasche erlebt ein großes Comeback. Wo man vor Jahren noch über diesen Touristen-Look gelacht hat, steht er heute, je nach Trageart, für Komfort und einen lässigen Look. Lässig sind auch die sogenannten Bucket Bags, die ihren Namen von ihrer Eimer-ähnlichen Form haben. Laut Instyle sind auch sie in diesem Jahr nicht wegzudenken und stellen ein cooles Fashion Statement dar, besonders in knalligen Farben.

Aus alt mach neu – dieses Motto gilt auch bei den Koffertrends dieses Jahres. Wer sich einen neuen Koffer zulegen möchte, der sollte sich vorher genau überlegen, was er eigentlich möchte. Denn heute kann ein Koffer nicht nur das Gepäck verstauen: Mit technischen Kniffen und Neuheiten kann so manches Gepäckstück seinem Besitzer einiges bieten. Ihm sagen, wo er sich gerade befindet und ihm im Flughafen treu hinterherfahren sind nur ein paar der innovativen Highlights, die sich Reisenden in diesem Jahr bieten.

Neben der Technik muss aber natürlich auch das Aussehen optimal sein. Knallige Farben, aber auch Opas altes Reisestück bestimmen in diesem Fall die Trends. Laut der deutschen Vogue liegen 2018 minimalistische Trolleys und sogenannte Statement-Koffer im Trend. Also, genügend Platz muss das neue Stück haben, aber auch eine elegante Reise garantieren. So kann man umfunktionierte Hutschachteln als kleinen Koffer erstehen, Reisetaschen im Muschel-Design, die schon beim Packen Urlaubsgefühle versprühen, und stylische Reisetaschen, an denen sich sogar noch Handy und Laptop laden lassen. Wer kein Geld für ein glänzendes neues Stück hat, der kann seinem alten Koffer einfach ein Design-Cover überziehen und hat laut Vogue damit gleich noch Kunst auf vier Rollen. Was nicht nur selbst glänzt, sondern den meisten Frauen auch ein leuchtendes Funkeln in den Augen entlockt, sind die Schmuck-Trends dieses Jahres, die einige Neuheiten und antiquarische Highlights versprechen. Wie das Magazin Instyle berichtet, zählen zu den Schmuck-Trends in dieser Saison besonders Modelle, die antik wirken, etwa goldene Amulette als Ohrringe oder Muscheln als anmutige Armreifen.

Ein weiteres modisches Must-have sind laut Instyle filigrane Stücke, die speziell durch ihre ungewöhnlichen Materialien und Formen ins Auge springen. Dabei sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, nur außergewöhnlich und möglichst handgefertigt sollte es sein. Ebenso ist Schmuck aus Naturmaterialien, gemäß der Nachhaltigkeit, ein toller Hingucker. Auch aktuelle Themen wie die Gender-Diskussion beeinflussen die Schmuckszene und sorgen für kreative Neuheiten wie Unisex-Formen, twa bei Armreifen.

Text: Mira Ziegler