Sonderveröffentlichung
Themenspecial 50 Plus

Abgefahren!

IM PORTRÄT: CHRISTIAN SCHÖNUNG IST BÜRGERMEISTER DER STADT LORSCH. ZUDEM HAT ER EINE GANZE BESONDERE VERBINDUNG ZUM RADSPORT UND IST GERNE UNTERSTÜTZEND TÄTIG, WENN ES DARUM GEHT, SPORTEREIGNISSE IN DIE REGION ZU HOLEN. SO AUCH AN DIESEM WOCHENENDE. DANN STARTET DIE VIERTE ETAPPE DER DEUTSCHLAND TOUR VON LORSCH NACH STUTTGART.


Von Jürgen Pfliegensdörfer   

Als Christian Schönung 2011 zum Bürgermeister der Stadt Lorsch gewählt wurde, trat er die Nachfolge einer Institution an. Klaus Jäger hatte zuvor die Belange der über 13 000 Einwohner zählenden Stadt mit dem weltbekannten Kloster geprägt und wurde zum Ehrenbürgermeister ernannt. Es waren große Fußstapfen, die er Christian Schönung hinterlassen hatte, doch der nahm diese Herausforderung an. So wie der leidenschaftliche Sportler Schönung auch alle anderen Herausforderungen annimmt und bewältigt.

In wenigen Wochen wird er 50 Jahre alt. Er weiß, was er sich zumuten kann und geht stets mit Respekt an seine Aufgaben. „Schon immer in meinem Leben habe ich Sport getrieben. Gemeinsam mit meinem Bruder trete ich regelmäßig beim Lorscher Triathlon an. Schwimmen und vor allem das Radfahren habe ich für mich frühzeitig entdeckt, und gerade die Ausdauersportart Radfahren gibt mir oft den freien Blick für das Wesentliche“, sagt Christian Schönung. „Das Radfahren lag mir schon immer, und mittlerweile bin ich auch ein recht ordentlicher Schwimmer geworden. Die 1000 Meter schwimme ich um die 18 Minuten, meine allgemeine Fitness erhalte ich im Sportstudio. Wann immer es mir die Zeit erlaubt, versuche ich dort ein bisschen zu entspannen, was nicht immer einfach ist“, so Schönung.

„Ein Bürgermeister hat viele Termine zu bewältigen, 14-Stunden-Tage haben keine Seltenheit. Aber ich fühle mich rundherum wohl, habe einen Traumberuf und gehe jeden Tag sehr gerne an meinen Arbeitsplatz im Rathaus“, freut sich Christian Schönung, der zudem in vielen Vereinen der Stadt Lorsch aktiv ist. Sehr viel wird in der Stadt rund um das Weltkulturerbe Kloster Lorsch schon immer für den Radsport getan. „Bei uns in Lorsch haben sich schon die allerbesten Radprofis der Welt gezeigt. Tour-de-France-Gewinner, Welt- und Europameister, unzählige Olympiasieger sprinteten bei den Grand Prix, den Crossrennen, bei den Handbikern, bei Europameisterschaften um die Titel. Jan Ullrich, Erik Zabel, Hanka Kupfernagel, ja sogar die besten Biathleten und Langläufer haben in Lorsch tollen Sport gezeigt und Zehntausende von Zuschauern angezogen. Wir haben für den Sport eine Menge übrig, und gerade der Radsport ist uns ans Herz gewachsen“, sagt Christian Schönung und betont dabei ausdrücklich, dass dies schon zu Zeiten von Klaus Jäger so gewesen sei. Vor wenigen Wochen fanden im benachbarten Einhausen die Deutschen Radsportmeisterschaften statt, und der Nachwuchssprinter Pascal Ackermann sicherte sich den Titel.

Am 26. August folgt nun das nächste radsportliche Highlight in der Region, denn die erstmals seit acht Jahren wieder ins Leben gerufene Deutschland Tour macht Station in Lorsch. Lorsch ist Startort der letzten und längsten Etappe der Tour, die bis nach Stuttgart führen wird. Schönung wird dann nicht nur die Radprofis begrüßen, sondern diese mit dem Startschuss um 12 Uhr auf die 207 Kilometer lange Schlussetappe schicken.

„Für uns war es keine große Frage, als die durchführende A.S.O. an uns herantrat und nachfragte, ob wir uns Lorsch als Startort für die Deutschland Tour vorstellen könnten. Die Tour hatte über viele Jahre einen sehr guten Ruf und wurde leider lange Zeit nicht mehr durchgeführt. Nun hat man einen Weg gefunden, dieses traditionsreiche Rennen wiederzubeleben. Wir sind gerne dabei, wenn die besten Radteams wie Sunweb, Sky, Katusha-Alpecin oder Quick-Step – um nur einige zu nennen – bei uns Station machen. Es macht uns als Stadt stolz, dass wir dabei sein dürfen. Das ist Werbung für Lorsch, für den Kreis Bergstraße, für die Metropolregion. Wenn man solch ein Angebot bekommt, darf man nicht Nein sagen, und ich freue mich sehr, dass wir die Fahrer und die 22 Teams auf die finale Etappe schicken dürfen“, zeigt sich Christian Schönung begeistert.

Bis dahin wird er noch einige Runden mit seinen Radfreuden im Ried und im Odenwald drehen. „Der Freitagnachmittag ist mir eigentlich heilig, denn da will ich früh meinen Schreibtisch verlassen und freue mich auf die Ausfahrt mit dem Rennrad mit meinen Freunden. Mit einem Großteil dieser Fahrer sind wir schon in alle Partnerstädte Lorschs gefahren, da waren schon unvergessliche Momente dabei“, blickt er zurück.

Seit fast zwei Jahrzehnten ist er mit seiner Frau Anette verheiratet, die als Rektorin an der Schillerschule in Lampertheim tätig ist. „Unsere gemeinsamen Urlaube verbringen wir sehr gerne am Meer. Da meine Frau eine sehr gute Tennisspielerin ist und ich im Urlaub gerne mit dem Rennrad unterwegs bin, ist die Insel Mallorca wie geschaffen für uns. Dort können wir Kraft für die Arbeit schöpfen“, so Schönung, der auch für Charity-Veranstaltungen sehr empfänglich ist. „Mit dem Team Bensheim der Tour der Hoffnung war ich im vergangenen Jahr 777 Kilometer weit von Bensheim bis nach Riva del Garda gefahren, um Spenden zu sammeln die krebskranken Kindern zugutekommen. Eine wirklich beeindruckende Veranstaltung“, berichtete er. Am Ende seien über 500 000 Euro an Spenden gesammelt worden. „Doch der Gedanke und die Gemeinschaft war so beeindruckend. Da war ich von Beginn an der Christian und nie der Bürgermeister von Lorsch. Das hat mich tief bewegt, und ich bin wirklich froh, bei dieser Aktion dabei gewesen sein zu dürfen. Und nicht zuletzt unsere Bike-Charity-Aktion gemeinsam mit Lila Logistik im vergangenen Jahr war ein riesiger Erfolg. Viele dieser Teilnehmer werden nun auch wieder mit der Deutschland Tour in Lorsch zu Gast sein“, zeigt Christian Schönung, wo sein Herz beheimatet ist.

DEUTSCHLAND TOUR

4. Etappe: Lorsch – Stuttgart 207,5 Kilometer, 26. August

Zum Abschluss der Deutschland Tour erwartet die Profis die längste Etappe der Rundfahrt. Von Lorsch nach Stuttgart sind 207,5 Kilometer zurückzulegen. Auf der Römerstraße in Lorsch, unweit des Alten Rathauses, beginnt die Sonntagsetappe um 12 Uhr. Vom Zentrum geht es neutralisiert über 3,5 Kilometer bis zum Froschkanzelsee. Kurz vor der Landesgrenze von Hessen und Baden-Württemberg erfolgt der scharfe Start. Es bleiben keine 20 Kilometer zum Einrollen, bevor der erste Anstieg des Tages beginnt und in Ursenbach die ersten Bergpunkte vergeben werden. In der Bergstraße wird weiter geklettert und nur sechs Kilometer später folgt die nächste Bergwertung. Dieses Bergdoppel in der ersten Rennstunde belohnt die angriffslustigen Fahrer vom Start weg – ein spannendes Finale der Rundfahrt ist garantiert.

In Neckargemünd wird der Neckar zum ersten Mal an diesem Tag überquert und die vorletzte Sprintwertung der Deutschland Tour 2018 ausgefahren. Ein konstantes Auf und Ab führt das Peloton in die Region Stuttgart. In Besigheim wird erneut über den Neckar gefahren und die Strecke verläuft entlang des Flusses nach Marbach am Neckar. Aus nördlicher Richtung erreichen die Profis Waiblingen und treffen dort auf den Finalkurs, den zuvor bereits 3500 Hobbyradsportler bei der Jedermann Tour unter die Räder genommen haben. Kurz darauf wird die Landeshauptstadt Baden- Württembergs erreicht. Hier gilt es, die letzten Reserven zu mobilisieren.

Das Finale beginnt mit dem Anstieg zum Killesberg, bevor es bergab und flach zum Zielstrich auf der Partymeile Stuttgarts, der Theodor- Heuss-Straße, geht. Grund zum Feiern gibt es aber noch nicht, denn eine 10,5 Kilometer lange Schlussrunde ist noch zweimal zu befahren. Im Mittelpunkt steht der Herdweg – ein Anstieg, der bereits bei den Weltmeisterschaften 2007 der Scharfrichter war. Bei der ersten Überquerung sind die letzten Bergpunkte der Deutschland Tour zu verdienen und bei der zweiten Überquerung gibt es wertvolle Bonussekunden für die Gesamtwertung. Klassikerspezialist, bergfester Sprinter oder sogar ein Massensprint – das Finale bietet für viele Fahrer Optionen, denn bis zum Ziel verbleibt eine Abfahrt von sechs Kilometern und damit die Gelegenheit, Ausreißer wieder einzuholen. Gegen 17 Uhr steht fest, wer sich in Stuttgart als erster Gewinner der neuaufgelegten Deutschland Tour feiern lassen darf. red
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