Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil

Bon Voyage!

UNTERWEGS: Leicht und smart – so wünschen sich Reisende heute ihr Gepäck. Alternativen zum Weekender entlasten den Rücken, und beim Koffer überraschen die inneren Werte.


Von Marlene Dietrich weiß man, dass sie auf Reisen ungern verzichtete. Lieber ein bisschen mehr mitnehmen, war ihre Devise – was ihr Reisegepäck bisweilen auf bis zu 80 Koffer und Hutschachteln anwachsen ließ. Ihre großen Schrankkoffer nannte sie liebevoll „Elefanten“ und beklebte sie mit zahlreichen Stickern von Hotels, in denen sie abstieg. Träger, die sich um ihr Gepäck zu kümmern hatten, stöhnten unten den Lasten. Auch Thomas Manns Koffer war eher eine Truhe – als er 1952 damit in die Schweiz reiste, war das gute Stück schon fast 70 Jahre lang im Familienbesitz. Heute, in Zeiten strikter Gepäckvorgaben seitens der Fluggesellschaften und beschränkter Platzverhältnisse in den Zügen, erscheinen solche Gewohnheiten wie aus der Zeit gefallen. Der moderne Reisende hält sich eher an den Rat des französischen Schriftstellers und Piloten Antoine de Saint-Exupéry: „Wer glücklich reisen will, reise mit leichtem Gepäck.“

Der Klassiker mit Stil ist dafür nach wie vor der Weekender, eine große Ledertasche, die über der Schulter oder in einer Hand getragen wird. Komfortable (aber meist weniger ansehnliche) Alternativen dazu sind Rucksäcke und Reisetaschen, die mit Rollen und ausziehbaren Griffen ausgestattet sind und sich bequem ziehen lassen. Oder, für die längere Reise, der Hart- oder Weichschalenkoffer, ebenfalls auf vier Rollen und längst deutlich einfacher zu handhaben als zu Thomas Manns oder Marlene Dietrichs Zeiten.

Schon seit Jahren unterbieten sich die Hersteller in immer leichteren Ausführungen. Das stylische Aluminium der Rimowa-Klassiker hat längst einen Polycarbonat-Bruder an der Seite, Mitbewerber Samsonite setzt bei den Ultraleichtgewichten inzwischen auch auf die Gewebefasertechnologie Curv. Alle diese Hartschalen gelten als extrem stabil, bruch- und vor allem aufbruchsicher – ein kleiner Vorteil gegenüber den meist noch ein bisschen leichteren und dehnbaren Weichschalen-Ausführungen in textilen Materialien oder Leder.

Auch in der Optik beweisen die Hightech-Teile Stil: mit charakteristischen Rillen, Muschel-Ansicht, außergewöhnlichen Formgebungen, die an die gute alte Hutschachtel erinnern, oder, wie bei Dolce & Gabbana, durch Bemalung im Stil einer italienischen Küchenkachel. Doch was beim Koffer zählt, sind auch die inneren Werte, sprich: welche Features das Packen einfacher machen. Abtrennbare Fächer, ein herausnehmbarer Wäschesack oder ein wasserdichter, transparenter Beutel für mitreisende Flüssigkeiten zum Beispiel, oder auch eine Extra-Tasche, falls die Zahl der Souvenirs bei der Reise das Volumen des Koffers sprengen würde. Aber auch technische Gimmicks wie integrierte USB-Ladestationen, die das Mobiltelefon (und die darauf gespeicherte Bordkarte) am Laufen halten. Naben dem innovativen amerikanischen Label Away hat diese Idee auch Horizn Studios frühzeitig umgesetzt. Mit dem „Horizon 55“, einer Ikone aus dem Hause Louis Vuitton, haben die Horizn-Modelle nichts zu tun – allerdings geht man auch beim französischen Luxuslabel mit der Zeit: Das Lokalisierungsmodul „Echo“ hilft beim Wiederfinden, wenn das gute Stück auf Reisen verloren geht. Ute Maag

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