Sonderveröffentlichung
Themenspecial Mode & Stil - Frühjahr 2018

Aufgeknöpft

VIELSEITIG: Er ist bequem, hält warm und nimmt auch einen halben Tag in der Tasche nicht übel: der Cardigan. Über ein permanent unterschätztes Kleidungsstück. 

BILD: ardni/stock.adobe.com 
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Es gibt Kleidungsstücke, die schaffen es einfach nicht, das Image des Biederen abzustreifen. Einige völlig zu recht – Halbschuhe oder Cordhosen etwa. Andere aber völlig zu unrecht. So wie die Strickjacke, der es auch nur bedingt hilft, wenn man sie Cardigan nennt. Leider. Zu präsent sind noch die Ermahnungen der Großmutter („Kind, zieh dir was über, das ist doch viel zu kalt so im T-Shirt“), zu dicht vor Augen noch die weihnachtlichen Familienfotos aus den USA, auf denen die amerikanische Großcousine die cremefarbene Kaschmirausführung Ende der 90er Jahre zur doppelreihigen Perlenkette trug. Als 25-Jährige wohlgemerkt – was wiederum der Oma gut gefiel.

Doch nun, in der Frühjahrsmode des Jahres 2018, ist der Cardigan plötzlich ein großes Thema. Was heißt eines! Denn so vielfältig die Schnitte und Längen sind, so unterschiedlich lässt er sich einsetzen. Die britische Designerin Alexa Chung zeigte sich in einem zarten, kirschroten Modell, zugeknöpft und in eine Lederhose gestopft – „a party cardie“, jubelte die Londoner „Times“. Alexander McQueen garnierte seine 2018er Entwürfe mit Reißverschlüssen, Balenciaga holte gar das gute alte Twinset mit Rundhalsausschnitt aus der Mottenkiste. Für Prada ist Angora und Seide das Material der Wahl, Gucci zeigte ein Modell zum Wenden mit Metallknöpfen und Streifen auf der einen und bedruckter Seide auf der anderen Seite. Auf anderen Schauen zogen bunte Blumen, großflächige Muster und aufwendige Stickereien die Blicke auf sich. Es wippten Fransen, schimmerten Perlen und Steine, und Oversized-Größen wurden üppig um schmale Schultern geschlungen. Das ist nicht nur kuschelig, sondern auch ein Hingucker. Und wenn’s zu warm wird, schnell wieder abgestreift. Apropos abgestreift: auch freie Schultern und blitzende Dessous sind neuerdings mit dem Cardigan kompatibel.

Burburry spielt das Thema Cardigan dagegen auf markentypische Art und Weise – trenchcoat-like gewickelt und mit einem karierten Gürtel versehen. Ohnehin sind auch die knielangen Varianten durchaus hip – schließlich genießt die Aussicht, es wollig-warm zu haben, gerade im zeitigen Frühjahr durchaus Priorität vor allzu viel sommerlicher Freizügigkeit. Und das wäre bekanntlich auch ganz im Sinne der Großmutter.

Text: Ute Maag

Expertenmeinung

Hingucker: Omas Alter Pelz

„Man sollte Omas alten Pelz nicht in den Container pfeffern, denn wir machen noch aus dem allerletzten Stück etwas: Indem wir auf Ressourcen, wie das Färben von Fell, zurückgreifen, kreieren wir modische Highlights, etwa ein pinkes Fell zu einem grünen Cardigan, aber wir fertigen auch Handtaschen oder Kissen. Aus alten Schätzchen machen wir in unserer Manufaktur High-End-Designs für Alt und Jung – nachhaltiger geht’s nicht“, empfiehlt die Expertin Susanne Piller-Plappert vom Pelzhaus Plappert in Mannheim und Hockenheim.
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